Von verpatzten Chancen und einem flauen Gefühl

Ich sitze hier seit einer guten Stunde und versuche die Überschrift für den Blogpost zu verfassen. Irgendwie will das nicht so recht werden. Vor dem Spiel hatte ich viele Aufhänger – grade die Frage ob Wolfsburg uns wieder in unsere Schranken weist, war mehr als präsent. Das haben sie zum Glück nicht. Die Aussage mag dem ein oder anderen vielleicht komisch vorkommen, schließlich haben wir keinen klaren Sieg vom Platz getragen. Aber mal ganz ehrlich? Das haben unsere Jungs selber verbockt!

Wir hätten schon nach der ersten Halbzeit mit mindestens 3 Toren vorne liegen müssen. Wer sich so viele Chancen durch die Finger gleiten lässt, der darf sich über ein Unentschieden nicht beschweren. Die Zahl der Fehlpässe war extrem hoch und wenn der Gegner in der Mitte zu macht, dann haben wir noch immer ein Problem. Sicher, Wolfsburg hat in manchen Situationen nicht schön gespielt und ich muss gestehen, die ein oder andere Schirieentscheidung habe ich auch nicht verstanden (was durchaus an mir und nicht an ihm liegen kann), aber dass wir nicht gewonnen haben, war unsere eigene Schuld.

Allerdings gab es auch Dinge, die mich positiv überrascht haben. Großer Spitzenreiter ist da André Schürrle. Sicher kann er noch mehr, aber ich habe ihn zum ersten Mal seit langem wieder richtig effektiv erlebt und das Gefühl gehabt, dass er aktiv mit der Mannschaft zusammen spielt. Das mache ich nicht nur an seinem Tor fest, das mir echt gut gefallen hat, sondern grade an seiner gesamten Leistung in der ersten Halbzeit.

Gewohnt stark waren auch unsere Außenverteidiger. Da waren zwar einige Szenen bei, in denen mir das Herz in die Hose gerutscht ist, aber es macht immer wieder Spaß ihnen bei der Arbeit zuzuschauen. Besonders imponiert hat mir, dass sich das Publikum um mich nicht hat unterkriegen lassen. Sicher, da wurde viel geflucht, aber es sind erstaunlich viele da geblieben und haben sich von unseren Jungs verabschiedet und das finde ich stark.

Was bleibt ist ein flaues Gefühl im Magen. Ich glaube nach wie vor daran, dass unsere Jungs den direkten Einzug in die Königsklasse schaffen können, aber das Leben ist nun mal kein Konjunktiv. Vor uns liegen noch ein paar Spiele und grade Schalke dürfte nicht einfach werden. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und zumindest der Kampfgeist ist schon da.

Wie würdet ihr das Spiel bewerten?

Der DFB-Pokal hat keine eigenen Gesetze!

Stimmt auffallend: Der DFB-Pokal hat keine eigenen Gesetze! Wer nicht mindestens ein Tor mehr als der Gegner erzielt ist raus – so oder so! Zum Last-Minute-Aus in Wolfsburg gibt es – rein sportlich – aus meiner Sicht auch nicht so viel zu sagen. Ich habe das Spiel mit meinem Kumpel Matthes geschaut, der ja in seiner kölschen Betrachtungsweise die reine Fußball-Lehre immer sehr trocken interpretiert: „Dat hätt nit sinn müssen!“

Genau – auf den Punkt gebracht. Das habe ich mir nach der ersten Enttäuschung auch gesagt: „Hätte es nicht, ist aber so“. Weil wir es leider nicht geschafft haben, die Leverkusen/Wolfsburger Führung durch Boenisch/Fagner rechtzeitig mit dem einen oder anderen Tor auszubauen. Ein zweiter Treffer der WERKSELF wäre mit Sicherheit der Schlüssel für das Tor zum Viertelfinale gewesen.

Aber es ist nun mal nicht jedes Spiel ein Fußball-Feuerwerk, nicht jedes Mal können und dürfen wir eine Demonstration taktischer und spielerischer Überlegenheit erwarten. Im Wolfsburg hat am Ende die Mannschaft gewonnen, die die Fehler des Gegners entscheidend für sich genutzt hat. Das Spiel sah über 90 Minuten keine Mannschaft, die aufgrund zwingender Chancen nur auf den nächsten Treffer ins gegnerische Tor warten musste.

Ein Eigentor der Wolfsburger, eine insgesamt schlampig gelöste Situation im Strafraum der WERKSELF – das 1-1 war ein logisches Ergebnis der Pokaltagesform beider Teams und irgendwie haben nur noch auf den Abpfiff und auf die nächsten 30 Minuten Spielzeit gewartet. Warum wir unser kaltgestelltes Verlängerungskölsch bis auf Weiteres dem Kühlschrank überlassen haben?

Unsere Jungs haben es leider nicht geschafft, den zweiten Treffer nachzulegen, als sich die Wölfe noch kollektiv Gedanken über die Entstehung des 0-1 machten. Nein – im Gegenteil! Es waren die Wolfsburger, die immer mal wieder eine Art von Gefahr im Bayer-Strafraum produzierten. Allerdings stand ja Leverkusens Bester im Tor – Bernd Leno zeigte in diversen Situationen, was wir da für einen klasse Jungen zwischen den Pfosten stehen haben. Die Tore konnte er beim besten Willen nicht verhindern und sein Team wirkte gerade in der zweiten Hälfte wenig angriffslustig. Vom schnellen Umschalten nach erzwungener Balleroberung mit unmittelbarem Stürmereinsatz, wie vor allem gegen den HSV perfekt praktiziert, war wenig bis nichts zu sehen. Und so mussten Strafraum- und Stürmerszenen zwangsläufig in die Kategorie „Mangelware“ eingeordnet werden.

Die Gegentore waren, wie schon in Hannover, die Folge individueller Missgeschicke. Sie einzelnen Spielern vorzuwerfen, die in den Wochen zuvor mit Klasseleistungen für den zweiten Platz sorgten, halte ich für bedenklich. Natürlich war Ömers Aktion unglücklich – und das kann er sicher besser. Aber ohne den unnötigen Ballverlust bei der eigenen Offensivaktion zuvor, wäre es dazu gar nicht erst gekommen.

Wer gemeinsam mit dem Team die Siege feiert, der muss auch mit der Mannschaft die Niederlagen ertragen. Und ja – ich verstehe jede Enttäuschung über das Pokal-Aus. Auch ich hätte gerne mal wieder ein Pokalheimspiel erlebt, oder eine emotionale Partie mit unseren Freunden aus Offenbach. Was mir aber definitiv nicht in den Sinn kommt: Der pokaltechnisch missglückte Jahresabschluss reduziert meine Freude über die Hinrunde und den Stolz auf unsere WERKSELF um genau null Prozent.

Auf nach Lissabon

Seit dem frühen Nachmittag wissen unsere Fans jetzt auch, dass es am 21. Februar ins schöne Lissabon geht – sicher eine lohnenswerte Tour nach Portugal, touristisch in jedem Fall. Mit den sportlichen Aussichten der WERKSELF im Europapokal werden wir uns hier im Blog befassen, wenn es soweit ist. Fest steht: Im Hinspiel gegen Benfica, am 14. Februar in der BayArena,  muss die Grundlage für das Achtelfinale gelegt werden. Dort würde der Sieger des Duells Dynamo Kiew gegen Girondins Bordeaux auf die Schwarz-roten warten.

Alles Weitere zu unseren Gedanken, Meinungen, Rückblicken und Ausblicken lest ihr in Kürze in unseren ganz persönlichen WERKSELF-Bilanzen 2012 (Cathy macht nächste Woche den Anfang)!

Ich wünsche euch eine wunderschöne Weihnachtszeit und einen tollen Start in das neue Jahr!

Schwarz-rote Grüße
Klaus