Ein Jahr, eine Bilanz, ein Vierzeiler: „Leverkusen … unser Leben …!“

„LEVERKUSEN … !!!

UNSER LEBEN … !!!

DIE NUMMER EINS AM RHEIN … !!!

SO WIRD ES IMMER SEIN …. !!!!“

Ganz klar, diese vier Zeilen sind mein Stadion-Ohrwurm des Jahres. Nicht erst seit dem Sieg in Bremen mit unserer kleinen, aber lauten Kurvengemeinschaft  hat sich der einprägsame Ein-Strophen-Song auf meiner schwarz-roten Festplatte eingebrannt (fragt Cathy mal, was auf der Rückfahrt gesungen, geflötet und gebrummt wurde). Und irgendwie stehen diese Zeilen auch für die Werkself und ihre Fans zu Beginn des noch jungen Fußballjahres 2013. Es ist ja bei solchen Rückblicken immer schwierig, allem gerecht zu werden, worüber man nach so einem ereignisreichen Jahr schreiben könnte. Cathy hat ja schon ihren ganz persönlichen Blick auf die Hinrunde der Werkself in der Saison 2012/2013 geworfen und dabei – unter anderem – ihre aktuelle Begeisterung für einen unserer frischesten Neuzugänge deutlich gemacht.

Uneingeschränkt teilen wir die Begeisterung für unseren Verein und die Mannschaft und das nicht nur jetzt, wo es mal wieder richtig gut läuft. Aber natürlich konzentrieren wir uns bei solchen Bilanzen immer auf die Themen und Personen, die uns – wodurch auch immer – ganz speziell an etwas Herausragendes oder Besonderes erinnern. Es kann also sein, dass euch der eine oder andere Spieler zu kurz kommt (oder alle), oder dass das eine oder andere Spiel nicht in eurem Sinne gewürdigt wird (München, Schalke). Dann nutzt die Kommentarfunktion im Blog oder auf Facebook und teilt uns eure ganz persönlichen Gedanken zur Werkself im Jahre 2012 / 13 mit! Wir diskutieren gerne mit euch.

Ich beginne meine Bilanz in der Gegenwart: Es ist der Beginn eines neuen Fußballjahres. Am 19. Januar 2013 startet die Werkself als Tabellenzweiter in die Rückrunde. Gegner in der BayArena  ist die Eintracht aus Frankfurt, der Vierte. Bayer 04 Leverkusen – gegen Eintracht Frankfurt: Zweiter gegen Vierter! Unser SVB hinter den Bayern und vor Doppelmeister Dortmund. Der Aufsteiger aus Frankfurt direkt dahinter. Eine Tabellenkonstellation, die so sicher niemand auf dem Zettel hatte, als wir direkt mit einer Pleite in Frankfurt in die Saison 2012 / 2013 starteten. Es folgten einige wenig überzeugende Auftritte  wie die 0-3 Pleite am dritten Spieltag in Dortmund. Die Borussia schien an diesem Tag für unsere Jungs keine Mannschaft zu sein, mit der man sich ernsthaft würde messen können. Die Werkself auf Patz zehn und viele fragten sich: Neues Team – alte Probleme?

Eine Frage, die unser Teamchef/Trainer-Duo Sami und Sascha und die Mannschaft mit einem klaren „Nein!“ beantworteten.

Im Dezember bejubelten unsere Fans nach dem Sieg gegen die HSV den Vize-Winter-Meistertitel hinter dem FC Bayern – und wir verabschiedeten Renato mit Emotionen der besonderen Art. Die Werkself ist in der BayArena ungeschlagen, Stefan „Kies“ Kießling ist Deutschlands erfolgreichster Stürmer 2012, in der Europa-League wartet Benfica Lissabon und die Aussichten auf die Champions-League-Teilnahme in der kommenden Saison sind wohl mehr als gut! Da konnte ich das ärgerliche Aus im DFB-Pokal zumindest halbwegs ordentlich wegstecken. Bayer Leverkusen gehört im Januar 2013 zu den deutschen Top-Teams, ist technisch und taktisch zu einem klasse Fußball fähig, und im Rest der Republik fragen sich so manche Experten, Medien und Fußballfans: „Wie konnte es dazu kommen?“

Stefan "Kies" Kießling

Stefan „Kies“ Kießling

Um die Frage zu beantworten, müssen wir den Fußballkalender der Werkself und ihrer Fans zehn Monate zurückblättern. Die Ära Robin Dutt ging nach einer 0-2 Pleite gegen Freiburg und Platz sieben zu Ende und unsere Vereinsführung nutzte die Krise als Chance, um einen mutigen und richtigen Weg einzuschlagen.  Am 1. April 2012 begann mit der Pressekonferenz in der BayArena ein Novum in der Bundesliga: Ein Trainerduo!  Sami und Sascha!  Zwei Typen, wie sie auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnte – so zumindest die weit verbreitete öffentliche Meinung. Der finnische Fußball-Superstar ohne Trainerlizenz für die Bundesliga und der im globalen Profifußball wenig bekannte Fußballstratege aus der Jugendabteilung agieren jetzt als Doppelspitze. Meine Reaktion an diesem Sonntag im April – Freude und Erleichterung. Es gab keine Übergangslösung aus der Mottenkiste der üblichen Lizenzinhaber in Warteschleife. Es folgte keine hektische Suche nach nationalen und internationalen Erfolgstrainern,  die merkwürdigerweise so gut sind, dass sie regelmäßig zu haben sind. Und zum Glück erfüllten sich auch die Trainerwünsche einiger „Experten“ aus diversen Fan- und Medienkreisen nicht, deren Liste von Übungsleitern bei mir immer ein Gefühl von Ungläubigkeit und latentem Schaudern hervorgerufen hat.

Sami und Sascha machten im Frühjahr 2012 einen Riesenjob und führten die Werkself in die Europa-League. Unser Minimalziel feierten wir mit der Mannschaft am letzten Spieltag in Nürnberg: Platz 5 und ein Dreier von Kies in der fränkischen Heimat – nicht nur aufgrund des sportlichen Ergebnisses ein emotionales Kurvenerlebnis der besonderen Art.

Das Team im Team

Zur neuen Saison schenkte die Vereinsführung unserem Trainerduo das Vertrauen für einen gemeinsamen Weg in die Fußballzukunft. Und es zeigte sich schnell, dass die beiden so verschieden gar nicht sind – in ihrem Wunsch erfolgreichen Fußball spielen zu lassen. Die Frage, wer denn nun der Chef im Ring sei, war und ist aus meiner Sicht völlig irrelevant. Es geht bei dieser Konstellation nicht darum, wer das Sagen hat, sondern einzig und alleine um eine erfolgreiche Teamführung. Und hier sehe ich die Basis für den Erfolg. Nicht nur im Fußball ist die Stimmung im Team abhängig von der aktuellen Situation und der Motivation des Einzelnen. Wer sein Team, seine Mannschaft erfolgreich führen will, dem muss eins gelingen: Spieler so einzusetzen, dass sie ihre Stärken für die Mannschaft optimal einbringen können und mit den eigenen Aufgaben und ihrer Position im Team zufrieden sind. Ein Trainerteam muss somit das große Ganze sehen, ohne den Blick auf den Einzelnen zu vernachlässigen. Die spezifischen Fähigkeiten und Fertigkeiten der einzelnen Spieler müssen zu einem spieltaktischen System zusammengeführt werden, das flexibel genug ist, auf interne und externe Veränderungen zu reagieren.

Natürlich geht das nur mit einem Kollektiv exzellenter Fußballer und guter Typen. Hier haben Vereinsführung und Trainer bei der Zusammenstellung der Mannschaft sehr gute Entscheidungen getroffen (hoffentlich bleibt uns der irre kleine Spanier noch lange erhalten). Auch wenn die Größe des Kaders zunächst die üblichen Skeptiker auf den Plan rief – bislang konnten auch längerfristige Ausfälle kompensiert werden, ohne an Qualität zu verlieren. Spieler wie Hajime Hosogai oder Jens Hegeler (einfach mal beispielhaft an dieser Stelle erwähnt neben Gonzo, Simon, Bernd, Wolle, Ömer, Kies, Schü, Lars, Stefan … ergänzt die Reihe einfach mit euren Favoriten) zeigen neben ihrer fußballerischen Klasse auch die notwendige Flexibilität im Spielsystem der Werkself. Ob Tannenbaum oder Halbraumverteidigung ist mir eigentlich egal, Hauptsache es funktioniert. Und das ist der Fall: Die Werkself zu Beginn des Jahres 2013 ist ein Team, in dem vieles sehr gut funktioniert. Wer die Jungs auf und neben dem Platz erlebt, der spürt Spaß am Fußball und Hunger auf den Erfolg. Der merkt aber auch deutlich, dass Misserfolge keine Rückschläge mehr bedeuten. Ob nach Pleiten auf fremden Plätzen, oder nach Rückständen, wie in Hannover  – die Werkself kommt immer wieder zurück. Dabei werden Enttäuschungen, wie im Pokal und in der Liga in Wolfsburg, wieder vorkommen. Schließlich sind unsere Jungs keine unfehlbaren Fußballroboter, sondern Menschen, die auch mal Fehler machen dürfen und auch wieder machen werden.

Nach den glänzenden Auftritten in der BayArena und Platz zwei in der Liga gingen natürlich auch die erwarteten Jahres-Endspekulationen los. Dass in der Rückrunde alles möglich ist und auch die Bayern ihre Spiele erst mal gewinnen müssen – ist eine legitime, wenn auch nicht überraschende Erkenntnis. Dennoch bleibe ich dabei: Ich habe nichts dagegen, wenn die Bayern und die Borussia aus Dortmund ihr Medien-Duell um die ersten beiden Plätze fortführen und einer der beiden vielleicht mehr Punkte als erwartet liegen lässt. Würde uns jetzt schon jemand den Titel „Vizekusen 2013“ garantieren – ich würde die Schale persönlich den Herren Heynckes und Hoeneß in die Hand drücken. Die direkte Qualifikation für die Champions League … ?!

Ich freue mich sehr auf den Beginn der Rückrunde mit unseren tollen Fans in der BayArena und auf viele stimmungsvolle Spiele, wie wir sie in letzter Zeit regelmäßig erlebt haben. Ich freue mich auf die erfrischenden Auftritte unserer „jungen Wilden“, wie Dominik Kohr und den anderen Top-Talente aus dem Hause Bayer 04. Ich bin gespannt, wer sich neben Arkadiusz Milik noch im Bayer-Trikot präsentieren wird. Der junge polnische Nationalspieler wird in der Heimat übrigens in einem Atemzug mit dem Dortmunder Robert Lewandowski genannt  – und viele halten ihn für talentierter. So die Aussage eines Kenners der polnischen Fußballszene, der uns zur Neuverpflichtung aus Zabrze vehement gratulierte. Ich denke, wir werden noch Gelegenheit haben, seine Qualitäten zu beurteilen..

Was auch immer bis zum Spiel in Hamburg am 18. Mai passiert – wir können stolz sein auf die Werkself im Januar 2013. Stolz auf … „LEVERKUSEN – UNSER LEBEN – DIE NUMMER EINS AM RHEIN!“

SO WIRD ES IMMER SEIN!

Schwarz-rote Grüße
Klaus