Vom Fan werden: „Oh, liebstes LEV!“

Ich kann gar nicht genau sagen, warum mir ausgerechnet  jetzt der Gedanke zu diesem Text gekommen ist. Um über die Gründe für Liebe und Leidenschaft zu seinem Verein zu schreiben, gibt es weder einen richtigen, noch einen falschen Zeitpunkt. Im Grunde genommen geht das immer. Auslöser war wohl eine kleine Diskussion unter Bayer 04 – Fans auf Facebook. Sinngemäß hieß es da beispielsweise: „Ich finde es schade, dass der Bayer in Deutschland nicht so eine große Anerkennung hat“, oder „Ich werde blöde angeschaut, wenn ich sage, dass ich Bayer-Fan bin“.

Mal unabhängig von der Tatsache, dass ich beide Aussagen so nicht (mehr) tragen kann und es (mittlerweile) auch anders erlebe, hat sich mir beim Lesen eine Frage gestellt: „Ist es nicht völlig egal was andere dazu sagen, dass mein Fußball-Herz für die Werkself, für einen Rekordmeister, für einen mal mehr mal weniger erfolgreichen Zweitligisten, oder einen schwarz-gelben Doppel- und Dreifachmeister schlägt?

Spielt es eine Rolle, ob mein Verein immer im TV zu sehen ist? Ist es wichtig, dass ich in jeder größeren Stadt Butterbrotdosen, Schnuller und andere Merchandisingartikel in meinen Vereinsfarben kaufen kann? Sollte es mir nicht egal sein, ob ich Blicke des Mitleids oder der Anerkennung zugeworfen bekomme, wenn ich mich als Fan meiner Mannschaft oute?

Ja, sollte es – und es ist mir egal. Denn wäre es mir nicht egal, hätte ich persönlich ein Problem, mich „Fan“ zu nennen – aber das soll bitte jeder für sich entscheiden. Als Fan ist meine Nähe zu einem Verein, einer Mannschaft, in erster Linie durch Emotionen bestimmt. Durch Gefühle, die irgendwann einmal durch irgendetwas ausgelöst wurden: ein unvergessenes Spiel, Familientradition, beste Freunde. Oder das Wichtigste (so vermute ich, wird es bei den meisten sein) – der Verein ist mit Begriffen verbunden wie Heimat, Wurzeln, oder Zuhause.

Mal abgesehen von ein paar Monaten nach meiner Geburt in Köln und den letzten zwölf Jahren, habe ich fast vierzig Jahre meines Lebens in Leverkusen verbracht. Und auch wenn ich nicht immer ein Fan von Bayer 04 war (das begann erst so richtig mit ca. 15 Jahren – 1979) gehörte der Verein doch zu meinem Leben dazu wie die Orte, zu denen ich immer die passenden Bilder habe, wenn ich mal wieder durch die Farbenstadt fahre: Bürrig (Kindheit und Jugend), Rheindorf (die Steppenwölfe), der Wasserturm und das Bayerkreuz (unsere Wahrzeichen), die Dhünn (Fahrradwege und Schlittenberge), der Reuschenberg (Abenteuerwald), die Carl-Duisberg-Schule (Abitur), Rundsporthalle und Kurt-Rieß-Halle (Handball), Sport-Center Samurai (Trainer und Training) – und eben auch das Stadion.

Viel von dem, was mich dann bewegt, finde ich wieder in einer kleinen Hommage von Schauspieler und Bayer-Fan Jan-Gregor Kremp an seine Heimatstadt:

“Oh, liebstes Lev! Pardon, verzeih’, das wird wohl nichts – das mit der Wahl zu Deutschlands schönstem Ort. Und schmink’s Dir ab: Du wirst auch nicht Kulturhauptstadt. Die Dhünn, die Dhünn, die heißt so, weil’s so ist. Doch komm’ ich heim, dann leuchtet mir mein Bayerkreuz. Das war schon so, als ich noch bartlos war. Ich kam zurück von öder Verwandtschaft. Und sah ich’s Kreuz, da wusst’ ich: Ich bin da. Oh, liebstes Lev! Du bist ja mein Zuhause. Du bist das Herz von meiner kleinen Welt. Ich hab’ die Erde mehrfach kreuz und quer durchfahren. Doch will ich sein beim alten Vater Rhein. Verseuchte Erde bleibt doch Heimatboden. Dort wo 04 dem Abstieg ewig trotzt. Meine Geburt, mein erster Kuss, mein letzter, gehör’n zu Dir wie Aspirin und Bier.“

(Das Lied „Liebstes Lev“ befindet sich auf der CD „Hundert Prozent Leverkusen“)

Auch wenn ich jetzt schon länger in einer Nachbarstadt wohne und arbeite –  und „Zuhause“ da ist, wo ich mit meiner Familie glücklich bin: Die kurze Fahrt nach Leverkusen ist immer wieder ein Besuch in der Heimat. Dazu gehört eben auch die Werkself.

Ich finde unseren Club geil – weil er ist, wie er ist. Und das zeichnet Fans doch aus. Uns ist es egal, ob andere Stadien voller, andere Fans lauter, oder die Pokalvitrinen mehr gefüllt sind. Wer seinen Verein und den Fußball liebt, der soll es zeigen dürfen – mit Leidenschaft, friedlich, egal wann und egal wo und unabhängig davon, was andere von unserer Fußballiebe halten. Das gilt für uns Werkself-Fans genauso, wie für den Rest der Fußballrepublik Deutschland. Und jeder Fan, der zu seinem Verein, seiner Leidenschaft steht, verdient unseren Respekt!

Seid einfach stolz auf euren Club, auf euer Team – ich bin es auch!

Und wie seht ihr das? Wie wichtig ist es, wie andere euren Lieblingsverein sehen?

(Antworten und Diskussionen gerne hier als Kommentar, oder auf unserer Facebookseite)

Nach der Winterpause: Top oder Flop?

Es gibt untrügliche Anzeichen für das Ende der Fußball-Winterpause: Die Temperaturen sinken deutlich unter Null Grad, es liegt Schnee und die Gefahr der wetterbedingten Spielabsagen wird größer. Pünktlich zum Auftakt des 18. SpieItages sind in der Gelsenkirchener Fußballhalle die Loipen einem Rasen gewichen und endlich rollt wieder der Ball. Schluss mit den Bemühungen, gewissen Randerscheinungen der Fußballbundesliga eine Art von Spieltagsrelevanz anzudichten. Ach ja – und das Topspiel (2-4) steigt dann auch direkt am Samstag in Leverkusen (dazu gleich mehr).

Ich weiß ja nicht wie ihr das seht – aber mal ehrlich: Es geht doch nichts über den wahren Kampf um Punkte und die nächste nationale oder internationale Pokalrunde (ok, auch nicht mehr für jeden). Da sind Freundschaftsspiele in der Wüste und Mini-Turniere, in denen sich diverse Teams aus unterschiedlichen Ligen in mehr oder weniger pflichtspielähnlichen Begegnungen um den Ball streiten, doch kein Ersatz. Bitte nicht falsch verstehen: die Winterpause ist wichtig! Neue Spieler verpflichten, Trainer tauschen, Kräfte tanken, ausruhen, regenerieren und einfach mal den Fußball Fußball sein lassen – das brauchen Vereine, Spieler, Schiedsrichter und sicher auch so mancher Fan. Und natürlich ist es nicht so, als würde die Fußballwelt zwischen Weihnachten und der nahenden Karnevalszeit eingefroren sein. Täglich melden sich die Medien mit den unterschiedlichsten Geschichten rund um den Fußball. Ob überraschende bis sensationelle Entwicklungen auf dem Spieler- oder Trainermarkt, beängstigende Tendenzen in diversen Fanszenen, oder die privaten Probleme prominenter Pärchen – es tut sich immer was. Und doch ist das alles nichts gegen die Emotionen und Diskussionen, die das richtige Spiel mit sich bringt.

Die Hoffnungen und Erwartungen bei den Fans sind groß: Bleibt mein Team da oben, fragen sich die einen, während die anderen hoffen, dass das neue Jahr endlich den ersehnten Erfolg mit sich bringt. Sämtliche Erkenntnisse, die aus den Spielen und Trainingseinheiten der letzten Wochen vermeintlich abzulesen sind, müssen mit dem Anpfiff des 18. Bundesligaspieltages umgesetzt werden – eine nicht immer erfolgreiche Vorgabe. Für viele ist so eine Rückrunde oftmals mit unliebsamen Überraschungen verbunden. Die Sportschau hat übrigens mal die tiefsten Stürze nach der Winterpause zusammengefasst. Der „Sieger“ purzelte nach Platz zwei am 17. Spieltag noch zwölf Plätze tiefer. Wer das war? Nachzulesen hier: Nach der Winterpause abgestürzt!

Die Winterpause der Werkself verlief – aus der Ferne betrachtet – weitestgehend normal. Thematisch herausragend sicher die Verpflichtung von Arkadiusz Milik. Der junge Nationalspieler aus Polen ist einer, der uns kurzfristig weiterhelfen kann (oder auch muss) und auch langfristige Perspektiven besitzt. Wie sagt man so schön: „Eine Investition in die Zukunft“. Zudem wurde Carlinhos nach Regensburg verliehen – auch hier eine gute Entscheidung, weil der Junge einfach spielen muss. Und nicht zu vergessen: Samis Wahl zu Finnlands Trainer des Jahres. Sicher auch eine Auszeichnung des Fußballers und des Menschen Sami Hyypiä in seiner Heimat. Bescheiden wie er ist, lautete sein Kommentar „Es gibt doch bessere Trainer in Finnland“. Mag sein, das kann ich nicht beurteilen. Für uns gehört er zu den Besten – ein Glücksgriff in vielen Bereichen.

Für das Spitzenspiel gegen den Tabellenvierten aus Frankfurt fordert Sami „Wir müssen besser verteidigen“. Das ist der Werkself in der Regel ja gut gelungen – vor allem in der BayArena. Erst fünf Gegentreffer auf eigenem Platz, das ist der Spitzenwert in der Liga. Personell ist die Lage einigermaßen entspannt: Karim fehlt noch nach seiner Schambein-OP und Katsche konnte aufgrund einer Virus-Infektion nicht trainieren. Ansonsten sind wir „Fit und fertig“, sagte Sami auf der Pressekonferenz vor dem Spiel.

Die Werkself ist im Januar 2013 für mich „Top“ und ich bin natürlich mächtig optimistisch, dass der Start in die Rückrunde gelingt. Aus den Köpfen der Spieler sollte der Jahresabschluss in Wolfsburg verschwunden sein. Unser Trainerduo weiß, wo es anzusetzen gilt und ich denke, dass man unsere Jungs nicht mehr großartig begeistern und motivieren muss – da sollte ein Blick auf die Tabelle reichen. Wie lange wir uns da oben zwischen den jetzt schon medial gekürten Meisterkandidaten aus München und Dortmund halten können, wird sich zeigen – gerne bis zum spiel in Hamburg im Mai. Nach wie vor ist die Chance der direkten Qualifikation für die Champions-League riesengroß. Gegner wie die Eintracht, die eine bemerkenswert konstant starke Saison spielt, müssen da natürlich geschlagen werden.

Ich freue mich auf jeden Fall sehr auf den sicher eiskalten Jahresstart in der BayArena – und laut Statistik können wir uns sicher auf Tore freuen. Denn eins gab es in den bislang 55 Bundesligaspielen zwischen Leverkusen und Frankfurt noch nie: Keine Tore! Auch das ist ein Bundesligarekord. Und Tore für die Werkself haben in den nächsten Spielen eine statistisch bemerkenswerte Bedeutung, vielleicht ja schon am Samstag. 1901 Tore stehen in der ewigen Tabelle auf der Habenseite der Werkself. Drei Treffer im Jahre 2013 und es wären – 1904! Und sollte unser Topstürmer zweimal treffen – dann hätte Kies seinen Bundesligatreffer Nummer 100 erzielt. Mal nebenbei kommt es auch zum Gipfeltreffen der Bundesliga-Torjägertabelle:

  • Kies führt mit 12 Treffern, Frankfurts Alex Meier liegt mit 11 Toren direkt dahinter.

Aber wie gesagt, nur Statistik. Was zählt sind die drei Punkte und die werden wir holen. Mein Tipp: 3-1 (und dann wäre das mit den Toren ja perfekt, wenn Kies dann auch noch zweimal trifft …)!

Das Schlusswort überlasse ich den Fans, in diesem Fall der NK12. Anlass des Blogartikels war ein Treffen zwischen Fanvertretern und Spielern der Werkself in dieser Woche im Stadioneck:

„Letztendlich waren sich alle Beteiligten einig, dass wir in der Rückrunde genau da weitermachen und ansetzen müssen, wo wir aufgehört haben und auch dann, falls es auch mal über mehrere Spiele nicht so rund laufen sollte. Jedoch waren alle sehr optimistisch, dass eine längere Durststrecke aufgrund der tollen Einstellung und Moral der Truppe hoffentlich nicht zu erwarten sein sollte. Von daher heißt es am Samstag gegen Frankfurt alles geben, sowohl auf dem Platz, als auch auf den Rängen! Forza SV Bayer!“

Also raus mit den schwarz-roten Fahnen und Schals, Skiunterwäsche und dicke Socken einpacken – die Winterpause ist vorbei, der Winter ist da und für uns hat das Wochenende wieder einen Sinn.

Schwarz-rote Grüße
Klaus

Hannover: Schon mal „Danke WERKSELF!“

Ein Dankeschön nach einer Niederlage?

Warum nicht?

Ich habe vor der Mattscheibe gesehen, wie eine Mannschaft den nächsten Schritt Richtung „Klasseteam“ gegangen ist! Ein Team, das kämpft, das alles versucht – und das am Ende verloren hat, weil Spieler Fehler machen. Und wer Fehler macht, ist normal. Wenn wir keine Fehler mehr machen, sind wir Maschinen ohne Emotionen, ohne Leidenschaft.

Unsere Schwarz-roten sind einen Spieltag vor dem Ende der Hinrunde Zweiter – mit großartigen Perspektiven für die Rückrunde. „Wintervizekusen“ – den Titel sichern wir uns mit Stolz am Samstag – der Sieg gegen den HSV steht für mich fest! Glänzende Aussichten an Wupper, Dhünn und Rhein! Und ich gestehe: Das habe ich im Sommer 2012 nicht erwartet.

Also machen wir es kurz: Danke WERKSELF (danke an die Fans, die wissen, wem wir danken)  für euer Engagement, eure Leidenschaft und euren Einsatz. Nach dem Spiel gegen die Nordlichter aus HH werden wir uns sicher einem ausführlichen Rückblick dieser Hinrunde widmen. Ob es da immer nur um unsere kickende WERKSELF geht? Mal sehen!

Für den Start unseres Blogs haben Cathy und ich bewusst den heutigen Abend gewählt – eine Niederlage in Hannover, kurz vor dem Jahresabschluss gegen den HSV in der BayArena.

Wir hoffen, euch in Zukunft hier mit kleinen Einblicken in unser Fußballherz mitnehmen zu können – oder Cathy? CATHY!

„Ja, bin ja schon da. Konnte das Spiel heute nicht sehen, aber per Twitter war ich immer dabei. Die Tendenz hier – ganz klar:  Endlich ein Team auf dem Rasen! Eine Mannschaft, die zusammen spielt und die Hannover kein leichtes Spiel gemacht hat. Ich bin stolz auf unsere Jungs und freue mich auf die kommenden Begegnungen, denn dieser Truppe zuzuschauen, das macht Spaß!“

Ja, das sehe ich auch so – und ein Blick in die Timelines und Newsfeeds bei Facebook, Twitter und Co. zeigt: so denken die meisten in schwarz-rot (von einigen wenigen – ewigen – mal abgesehen). Dass wir mit dem Resultat nicht zufrieden sind und alle, einschließlich unserer Spieler, auch Enttäuschung über die verpasste Chance mit Blick auf Dortmund äußern – das ist völlig normal.

Apropos Spieler – hier ein paar Facebook-Posts.

Kies: „Das war heute mal richtig unnötig. Kommt gut nach Hause die in Hannover waren und allen einen schönen Abend. Ach und einen schönen 2. Advent.“

Bernd: „Hallo zusammen. War das heute eine bittere Niederlage! Wir hätten in Hannover Big Points holen können, aber so ist Fussball nun mal. Nächsten Samstag geht’s gegen Hamburg weiter. Euch allen trotzdem noch einen schönen Abend. Euer Bernd“

Gonzo: „Weiter Gehts!!“

Richtig, Gonzo! Und das lassen wir genau so stehen