Nur 48 Stunden: Ein Sieg, eine Niederlage und viele Gedanken

Das war es also, unser Spiel gegen Augsburg. Sichere drei Punkte. Das wird nicht schwer. Das war der Grundtenor vor dem Spiel und ich habe es auch geglaubt. Jetzt stehe ich da und bin um einige Erkenntnisse reicher. Augsburg hat uns nicht nur gezeigt, dass wir ein Problem im Mittelfeld mit engen Räumen haben, das unser Mittelfeld an sich gestern ein großes Problem war aber auch dass Kies ein ganz Großer ist.

Ich war nie ein übermäßiger Kies-Fan. Er ist ein toller Spieler und ist super wichtig für die Mannschaft, aber ich habe meinen Fokus nie (nur) auf ihn gelegt. Gestern hat er aber mal wieder gezeigt, wie großartig er sein kann. Im Sturm ist er ja ohnehin sehr gut aufgehoben, aber wenn es gestern in der Abwehr eng wurde, dann war er da und wenn es im Mittelfeld mal wieder nicht weiter ging hat er die Bälle geholt und verteilt. Wenn ich ganz ehrlich bin, hat er mir im Mittelfeld gestern besser gefallen als all unsere gesetzten Mittelefeldspieler. Ohne da jetzt auf Namen rumzureiten: ein großer Teil unseres Mittelfelds hat mir gestern so gar nicht gefallen.

Dennoch zählen am Ende diese drei, wirklich wichtigen Punkte. Wir haben den Anschluss an Dortmund nicht verloren und das ist gut. Es gibt noch einiges zu tun, für unsere Jungs – aber das Spiel hätte auch anders ausgehen können. Ich habe gestern auf jeden Fall sehr gezittert und konnte mich auch erst nach dem Abpfiff halbwegs entspannen.

Entspannung ist dabei auch das Stichwort. Habe ich vor zwei Wochen noch den D-Block gelobt? Vergesst es. Es tut mir wahnsinnig leid, für die Einzelnen, die da alles geben, aber das war gestern ein Trauerspiel. Da wurde nicht mal mit geklatscht und das obwohl der C-Block und auch D1 und weite Teile von D2 alles gegeben haben und wirklich großartig waren. Das macht mich traurig, denn wie sehr unser Anfeuern beflügeln kann, hat man in dem Spiel gegen Dortmund doch gesehen. Nur weil der Gegner Augsburg heißt, muss man sich nicht derart hängen lassen. Oder nutzt ihr die Fastenzeit und verzichtet auf Stimmung? Fänd ich persönlich ja sehr schade.

Das war nicht das einzige Spiel diese Woche. Donnerstag ging es schon hoch her in der BayArena.

„Klaus, wie war das Spiel für dich?“

Cathy, es war vor allem eins: nass, kalt und auf meiner Position direkt zwischen den Spielerbänken vor allem mit einer völlig neuen Perspektive versehen. Das ist schon spannend, direkt bei den Akteuren zu sitzen.

Ansonsten habe ich ja schon einen kleinen „Einspruch“ erhoben – nicht gegen das Spiel unserer Werkself, sondern gegen die Art und Weise, wie in einigen Kreisen mit der Niederlage umgegangen wurde. Dieses ganze Rotationsthema will ich hier gar nicht mehr aufwärmen. Aber vielleicht sollte eins zu Denken geben: Die am Donnerstag von vielen so vermisste (entschuldigt den Ausdruck) „A-Elf“ hat gegen den Tabellenvorletzten der Bundesliga mal so eben 2-1 gewonnen – macht mit diesem Satz, was ihr wollt!

Am Donnerstag ging es gegen eine europäische Topmannschaft und unsere Schwarz-roten haben nicht nur auf Augenhöhe mitgespielt. Nein, sie waren die bessere Mannschaft. Dass wir uns dafür nicht viel kaufen können weiß ich auch. Aber für das Spiel am Donnerstag in Lissabon sehe ich noch jede Möglichkeit des Weiterkommens. Wie gesagt – die Berichterstattung in einigen Medien werde ich nicht weiter kommentieren, aber wenn ich nach dem Spiel im Radio höre „Leverkusen hat den Sieg nicht verdient gehabt“, dann frage ich mich ernsthaft, ob der Kollege von WDR 2 tatsächlich das gleich Spiel gesehen hat, wie ich!

Zu diesem vielfach postulierten „Arbeitssieg“ gegen Augsburg hast du die wesentlichen Dinge ja auf den Punkt gebracht, Cathy. Das sind eben diese Tage, an denen einem mal wieder klar werden sollte, dass Spektakel schön sind, aber am Ende nur wirklich sinnvoll mit einem Sieg für unsere Jungs . Drei Punkte – alles was zählt! Wenig Glanz, wenig Überragendes, aber immer wieder reingekniet und am Ende belohnt worden.

Ergänzend zu deiner schönen Hommage an unseren Kies: beispielhaft, wie er überall dort zu finden war, wo es nötig war. Eine Szene hat mich besonders beeindruckt. Es war so um die 75. Spielminute, oder etwas später, als man Stefan ansah, dass er so langsam die Fußballschuhe gerne ausgezogen hätte. Aber was macht der Bursche? Erkämpft sich den Ball und leitet einen Angriff der Werkself ein. Nicht in der Hälfte des Gegners, sondern an der eigenen Eckfahne!

Ein paar Sätze noch zur Stimmung in der BayArena, zum Support unserer Fans: Was da aus dem Norden des Stadions bei mir im Westen ankam war einfach nur großartig. Und wenn ich den Norden meine, dann meine ich alle, die mit dabei waren – egal in welchem Block. Aber gerade von meiner neuen Position kann ich den Support natürlich besonders schön beobachten. Und ich muss dir recht geben: geht es weiter weg vom C-Block wird es immer dünner, aber das ist ja nichts Neues. Einigen Zuschauern (und ja, es werden weniger) macht es einfach nur dann Spaß, wenn sie sich als Teil eines Fußballfestes fühlen dürfen. Bietet die Werkself dann nur fußballerische Alltagskost, kümmert man sich halt um seine Butterbrotdose und hofft, pünktlich im Pendelbus zu sitzen. Aber auch das gehört zu Leverkusen!

Seht ihr das alles anders? Oder genau so?

Schreibt eure Kommentare hier im Blog, oder auf unserer Facebookseite!

Übrigens: Den Sieg der Dortmunder gegen Frankfurt fand ich richtig gut 🙂 (Klaus)

Kies kämpft, Kies trifft, Kies schreibt …

… nach dem Unentschieden im Borussiapark auf seiner Facebookseite:

„Unglaublich dass du einfach für so einen Aufwand nicht belohnt wirst. Bringen uns immer selbst in Schwierigkeiten und kommst so zurück. Echt eine geile Moral von der Mannschaft. … !“

Zugegeben – es bedarf keiner besonderen journalistischen Recherche und auch keiner wahnsinnigen Kreativität, um diesen Spiel-Rückblick auf unseren Kies zu fokussieren. Nicht weil er der überragende Spieler war, oder wichtiger wäre für das Team, als andere. Weil er stellvertretend für Vieles steht, was die Mannschaft zurzeit auszeichnet: Einsatz, Moral, Selbstkritik und Fannähe! Aber bevor ich mich den aktuell so positiven Eigenschaften unserer Jungs widme, möchte ich auch noch ein paar Sätze zum Spiel am Niederrhein verlieren.

Ich habe mir nicht lange überlegen müssen, ob ich mit dem Ergebnis zufrieden sein soll – nein bin ich sicher nicht. Wir haben zwei Punkte verschenkt, die so einfach hätten mitgenommen werden können, wie schon lange nicht mehr. Die Borussia war gestern – die meiste Zeit – kein ernsthafter Gegner und hat es den wenigen, aber deutlich sichtbaren, Schwächen unserer Jungs zu verdanken, dass der Karnevalssamstag nicht zum sportlichen Aschermittwoch wurde. Trotz einer unglaublichen Präsenz und Überlegenheit der Werkself jubelten am Ende die Fohlen über einen eigentlich unmöglichen Punktgewinn. Aber es gibt halt nur eine einzige statistische Zahl, die klare Aussagen zum Ausgang eines Fußballspiels zulässt: die Anzahl der Tore! Ob 99 Prozent Ballbesitz, oder 20 zu 1 Ecken – wenn dem Gegner ein Prozent und eine Ecke zum Sieg reichen, dann spielt Überlegenheit keine Rolle mehr (dieses fiktive Zahlenspiel hat natürlich nur am Rande mit dem Spiel in Mönchengladbach zu tun)!

Schlagzeilen zum Spiel und Meinungen zu einzelnen Spielern findet ihr in den Pressestimmen auf der Homepage der Werkself! Ich werde mich auch diesmal nicht um Fehler und Fehlverhalten einzelner Akteure kümmern, auch nicht um die des Schiedsrichters: Elfmeter nicht gegeben, Tor nicht gegeben! Ja da kann man sich zu recht drüber aufregen. Aber hätten wir drei vermeidbare Gegentreffer verhindert und noch einige der meist klasse herausgespielten Torchancen genutzt – die (Fehl)Entscheidungen der Unparteiischen wären wohl eine wenig beachtete Randnotiz geblieben.

Individuelle Fehler und mangelnde Abstimmung führen oft zu brenzligen Situation, oder wie gestern zu drei Gegentoren. Über die kann man auf dem Platz lamentieren und diskutieren. Man kann aber auch einfach weiterspielen und zum richtigen Zeitpunkt zurückkommen.

Und das ist meine Essenz aus dem Spiel: Wie schon gegen Dortmund hat die Mannschaft Moral und Einsatzwillen bewiesen. Und dass unsere Jungs klasse kicken können, das haben sie auch gestern eindrucksvoll gezeigt. Als der Borussiapark gerade die erneute Führung der Fohlenelf bejubelte, spielte Sebastian Boenisch diesen feinen Pass auf Kies. Stefan beförderte mit seinem 100. Bundesligator die Feierlaune der Fohlenfans postwendend in den Keller und unsere Jungs waren wieder da. Bezeichnend auch die Entstehung des 3-2: Bevor Gonzo fantastisch mit Schü zauberte, erkämpfte sich Kies den Ball in der Hälfte der Borussia und zeigte einmal mehr seinen grenzenlosen Einsatzwillen. Und damit steht er stellvertretend für den Charakter unsere schwarz-roten. Für den auch gestern wieder laut besungenen „Deutschen Vizemeister – SVB!“.

Es macht Spaß mit der Truppe und mit unseren Fans. Auch nach dem späten Ausgleich der Borussia gab es den vollen Support aus der bunt kostümierten Leverkusener Kurve. Noch bevor sich unsere Jungs nach dem späten Ausgleich wieder Richtung Anstoßpunkt orientierten, gingen unsere Hände zum Himmel und produzierten rhythmisches Klatschen bis zum Abpfiff und darüber hinaus. Ich habe schon viele „geile Zeiten“ mit der Werkself erlebt und ich kann mit gutem Gewissen sagen: Die aktuelle Saison ist eine der Schönsten! Und ihr wisst, dass ich solche Aussagen nicht vom sportlichen Erfolg abhängig mache. So wie Cathy ja zuletzt schon geschrieben hat, freue auch ich mich über die Entwicklung von Stimmung und Support. Die Art und Weise, wie die Mannschaft den Weg Richtung Fans sucht und auch findet, trägt sicher auch dazu bei. Kies ist hier sicher auch ein prima Beispiel: Er ist immer für ein Foto mit seinen Fans bereit und über seine Facebookseite lässt er uns auch an seinen (privaten) Gedanken und Stimmungen teilhaben – schön, dass seine Mitspieler hier auch immer aktiver werden.

Und damit sind wir wieder in der sportlichen Realität angekommen. Stefan hat gestern auch gepostet:

 „Jetzt müssen aber wieder einmal Punkte her!“

Die sollten / müssen wir uns am Samstag gegen Augsburg in Leverkusen holen. Vorher steht noch das Hinspiel gegen Lissabon in der BayArena an. Aber bis es soweit ist, wünschen wir euch noch schöne Karnevalstage (soweit ihr euch zur jecken Narrenschar zählt) und sagen zum Schluss natürlich auch noch: „Danke HSV!“

Mit schwarz-roten Grüßen
Klaus

Keine Tore in Freiburg, ein Punkt und einige Fragen!

Es war der Abend der offenen Fragen. Wie sollte man das Unentschieden der Werkself im Breisgau bewerten? Ärger – Enttäuschung – Zufriedenheit?

Ansätze hierzu gibt es sicher viele – je nach Standpunkt und Mentalität. Ich gehöre ja bekanntlich zu den großen Optimisten im schwarz-roten Fanlager, aber mein vorher geäußerter 1-0 Tipp für den SVB gegen Freiburg hatte die Nullnummer,  als eine der möglichsten Varianten,  schon im gedanklichen Gepäck! Warum? Das kann ich gar nicht genau beschreiben. Es war klar, dass unsere Jungs in Freiburg auf einen Gegner treffen würden, der mit einem hohen Maß an Aggressivität verteidigen würde. Und dass die Streich-Truppe auch einen guten offensiven Fußball spielen kann, hat sie in den letzten Monaten bewiesen.

Es war wohl diese konsequente Art und Weise auf Gegner und Ball zu gehen, mit der die sonst so spielstarke Truppe aus der Farbenstadt nicht wirklich klar kommen sollte. Wann immer einer unserer Jungs den Ball hatte und seine nächste Aktion starten wollte, waren mindestens zwei Freiburger bei ihm und ein paar andere stürmten auf ihn zu. Aus dieser Bedrängnis resultierten gestern zu viele Fehlpässe, die unser schnelles Kombinationsspiel nach vorne schon früh verhinderten. Hinzu kam das wenig wahrnehmbare Spiel über die beiden Außenpositionen, das in der zweiten Halbzeit zwar etwas besser wurde, aber auch nicht deutlich mehr Effektivität brachte. Schürrles Pfostenschuss und ein paar gute Möglichkeiten von Rolfes, oder Boenisch bleiben im Gedächtnis und bei einem Blick auf die Aktionen der Freiburger war das Spiel vor allem eins: ausgeglichen.

Nein, es war sicher nicht das Spiel unserer Offensive, der zum zweiten Mal in dieser Saison kein Treffer gelang (nach der 0-3 Pleite am dritten Spieltag in Dortmund). Dafür zeigte Bernd Leno in seinem 50. Bundesligaspiel in den wenigen Momenten der Prüfung seine Klasse (wie auch Kollege Baumann im Tor der Freiburger) und auch der Rest der Defensivabteilung stand stabil und wirkte souverän.

Stefan hebt im bayer04blog einen Werkself-Kicker besonders hervor. In der Rubrik „Liebling des Spiels“ heißt es:

 „Es ist jetzt nicht so, als hätte sich bei dieser Partie jemand große, neue Sympathien erspielt, aber Lars Bender sollte man mal wieder hervorheben. Wenn die gelobte und in die Nationalmannschaft geforderte Offensivreihe um Schürrle, Kießling und Castro ihre Bälle verliert, ist Bender meistens genau da, wo er sein muss. Gewinnt die zweiten Bälle wie kein anderer und hält damit das vom Trainerteam eingeflößte Spiel am Leben.“

Sicher eine richtige Einschätzung. Und auch Sebastian Boenisch zeigte mal wieder, wie wichtig er in der kurzen Zeit für die Werkself geworden ist – eine langfristige Bindung des jungen Mannes wäre mehr als begrüßenswert.

Wesentlich mehr bleibt mir zu dem Spiel nicht zu sagen, aber vielleicht wollt ihr ja noch wissen, welches Gefühl – welche Bewertung der Nullnummer – bei mir auf Platz Eins steht? Die Frage beantworte ich gerne, weil sie sich sicher viele von euch gestellt haben, auch Stefan im bayer04blog:

„Ratlosigkeit wohin man schaut. Auf dem Platz, womöglich auf der Trainerbank und mit ziemlicher Sicherheit bei den Fans. Soll man sich über Platz 2 freuen, sich über die vergebene Chance ärgern oder das Spiel als gerechtes 0:0 abhaken?“

Also: Ich war schon vor der Chance von Schü – der Pfostenschuss – mit dem Punkt im Breisgau zufrieden. Nicht zufrieden mit der Leistung und damit, dass wir nur einen Punkt geholt haben. Aber zufrieden, weil das Ergebnis einfach in Ordnung geht und weil das Spiel auch mit einer Niederlage für Schwarz-rot hätte enden können. Natürlich freue ich mich weiterhin über den zweiten Platz, auch wenn ich nach wie vor nicht auf den Abstand zu den Bayern schaue. Im Blick habe ich Platz Drei (wenn es mehr wird – bitte gerne).

Ich möchte das Spiel jetzt auch nicht als Bewertungsmaßstab für den Knaller am nächsten Sonntag in Leverkusen heranziehen. Ein Spiel in Freiburg und der Kick gegen den Meister in der BayArena – das sind zwei völlig unterschiedliche Veranstaltungen. Sicher wird Herr Klopp sich unseren Auftritt im Breisgau angeschaut haben und sein Schlüsse daraus ziehen. Aber auch unser Trainerteam wird das tun und Sami und Sascha werden definitiv die richtigen Worte und Maßnahmen finden.

Ob es zu einem Sieg gegen die Borussia reichen wird? Mit der Frage werden wir uns sicher im Laufe der Woche hier im Blog beschäftigen.

Und etwas richtig Positives hat der torlose Auftritt der Werkself in Freiburg ja doch: Die Chance auf das 100. Bundesligator von Kies – gegen Dortmund, vor unseren Fans – ist auf jeden Fall riesengroß!

Schwarz-rote Grüße
Klaus

Renatos Tränen und Doppel-Kies für Bayers Vize-Winter-Meisterschaft

Wer hätte vor ein paar Monaten gedacht, dass ein Spiel der WERKSELF gegen den HSV im Dezember 2012 einen ganzen Nikolaussack voller Geschichten bieten würde. Und jede für sich mit genug Stoff für einen eigenen Artikel. Ja klar: die vielbeklatschte Rückkehr von René Adler in die BayArena – mit diesem Moment hätte man rechnen können. Dass unsere WERKSELF irgendwo da oben in den internationalen Tabellenplätzen auftauchen würde – irgendwas um Platz fünf – wäre auch nicht sonderlich überraschend gewesen. Und mit Stefan Kießling haben wir einen der treffsichersten deutschen Stürmer – auch das wissen die meisten, wenn auch nicht jeder im Ländle.

Geschichten inmitten der Normalität. Aber: Normal ist zurzeit kein Attribut der WERKSELF, wie dieser weihnachtlich geprägte 17. Bundesliga-Spieltag eindrucksvoll untermauerte.

Freuen wir uns auf die emotionalsten Momente des Nachmittages später am Ende dieses Rückblicks und fassen kurz den bemerkenswerten sportlichen Auftritt der Schwarz-roten zusammen: Hamburg: mit ein paar Torchance, aber ohne Chance das Spiel gewinnen zu können! Leverkusen: überlegen, leidenschaftlich, kämpferisch – und spielerisch, wie taktisch auf ganz hohem Niveau! Einmal Schü, zweimal Kies, drei zu null – und Schluss!

So könnte die Zusammenfassung per 140-Zeichen-Tweet in die Welt geschickt werden. Aber selbst für eine kurze Betrachtung der 90 Fußballminuten reicht das natürlich nicht. Da ich aber bekanntermaßen kein Freund umfassender sportlicher Analysen und Spielerkritiken bin (die packen wir mit Sicherheit in unsere beiden Saisonrückblicke, die Cathy mit Teil eins in Kürze eröffnet), versuche ich mal zu formulieren, was mir während des Spiels durch den Kopf gegangen ist.

Was für ein Auftritt von Neuzugang Sebastian Boenisch, der auf der linken Abwehrseite eine klasse Partie spielte. Er ersetzte Hajime Hosogai, der für Daniel Carvajal (Gelbsperre) auf die rechte Seite rückte. Zu dem kleinen Japaner muss man nicht mehr viel sagen: er spielt da, wo er spielen soll – und das immer ruhig, souverän und richtig gut. Im Notfall würde er sicher auch den Mannschaftsbus fahren. Ebenfalls nur Zuschauer nach der fünften gelben Karte: Stefan Reinartz. Für ihn durfte Jens Hegeler mal wieder zeigen, was für ein riesen Fußballer er ist. Einigen HSV-Kickern wird er sicher noch lange als dribbelnder Alptraum erscheinen, dank seiner feinen Technikdemonstration vor dem 2-0 durch André Schürrle – Bundesligatreffer 1900 von Bayer 04. Man könnte so jetzt jeden einzelnen unserer Jungs durchgehen, aber das kollektive WERKSELF-Loblied singen wir sicher an anderer Stelle.

Mit Ausnahme einer Strophe, die ich heute schon mal anstimme: Stefan „Kies“ Kießling. Er hatte vor dem Spiel die Fans aufgefordert, die Mannschaft mit aller Macht zu unterstützen – und die taten ihm und dem Team nach zwölf Minuten und zwölf Sekunden den Gefallen. Die Belohnung: Der 13. Bundesliga-Doppelpack von Stefan, der mal wieder – wie der Rest der Truppe auch – alles gab und mit seinem Lupfer über Adler seinen 98 Bundesligatreffer erzielte. Der erfolgreichste deutsche Stürmer 2012 übernahm damit auch Platz eins in der Torschützenliste – mit 12 Saisontoren.

Mit dem 3-0 war alles klar. Der BayArena-Chor auf den Rängen vereinte sich zu einem minutenlangen „Deutscher Vizemeister SVB“. Und ich weiß nicht, wie es euch gegangen ist – da steckte keine Spur Ironie, aber ganz viel Vizekusenstolz drin.

Mit dem Schlusspfiff verwandelte sich auch die BayArena in ein weihnachtliches Lichterspiel und die Veranstaltung steuerte unaufhaltsam dem emotionalen Höhepunkt zu. „Wir für euch – ihr für uns!“ hieß es auf dem Spruchband, das die WERKSELF –Kicker live auf dem Platz signierten, um es dann den Fans in der Kurve zu übergeben. Schon während der Übergabe konnte man erahnen, welcher Spieler in den folgenden Minuten zum Hauptdarsteller einer emotionalen Spontaninszenierung der Extraklasse werden würde: Renato Augusto! Unser Brasilianer mit der Nummer zehn wird gegen den HSV wohl sein letztes Heimspiel für die WERKSELF gespielt haben. Für ihn und uns ein Abschied, den wir alle sicher nie mehr vergessen werden. Renato vor der Nordkurve – die Hände vor dem Gesicht, den Kopf gesenkt und sichtbare Tränen der Rührung, der Trauer? Wer weiß das schon? Klar, dass Renato erste Wahl war: für den Mann auf dem Zaun, für den UFFTA-Dirigenten. Auch wenn er sich zunächst etwas sträubte, so hatte ich das Gefühl einen glücklichen Renato zu hören: ob beim Uhhhh, oder beim Telefon-T!

Auf den Schultern seiner Mitspieler durfte er sich noch einmal höchst geehrt fühlen und die BayArena sagte ein letztes Mal „DANKE, OBREGADO RENATO“.

Ich habe ihn übrigens eine Stunde nach Abpfiff in der Mixed-Zone der BayArena getroffen. Renato hat mich fest in den Arm genommen, immer noch mit Tränen in den Augen und Danke“ gesagt – oh man, was für ein Moment und was für ein Ende dieses fantastischen 17. Spieltages.

Im Pokal geht es für die Jungs nächste Woche nach Wolfsburg, bevor es am 18. Spieltag schon wieder zu einem Knallerspiel in der BayArena kommt. Die Eintracht aus Frankfurt spielt im Januar in Leverkusen und für das Spiel gegen einen unserer direkten Verfolger wünsch ich mir wieder so eine Geschichte wie heute.

Wie wäre es denn hiermit: Stefan Kießling trifft dreimal und erzielt seine Bundesligatreffer 99, 100 und 101! Toll oder?

Ach ja, das dritte Tor von Kies wäre dann für die WERKSELF das Bundesligator Nummer …

… 1904!

ICH FREU MICH DRAUF

Euer Klaus