Renatos Tränen und Doppel-Kies für Bayers Vize-Winter-Meisterschaft

Wer hätte vor ein paar Monaten gedacht, dass ein Spiel der WERKSELF gegen den HSV im Dezember 2012 einen ganzen Nikolaussack voller Geschichten bieten würde. Und jede für sich mit genug Stoff für einen eigenen Artikel. Ja klar: die vielbeklatschte Rückkehr von René Adler in die BayArena – mit diesem Moment hätte man rechnen können. Dass unsere WERKSELF irgendwo da oben in den internationalen Tabellenplätzen auftauchen würde – irgendwas um Platz fünf – wäre auch nicht sonderlich überraschend gewesen. Und mit Stefan Kießling haben wir einen der treffsichersten deutschen Stürmer – auch das wissen die meisten, wenn auch nicht jeder im Ländle.

Geschichten inmitten der Normalität. Aber: Normal ist zurzeit kein Attribut der WERKSELF, wie dieser weihnachtlich geprägte 17. Bundesliga-Spieltag eindrucksvoll untermauerte.

Freuen wir uns auf die emotionalsten Momente des Nachmittages später am Ende dieses Rückblicks und fassen kurz den bemerkenswerten sportlichen Auftritt der Schwarz-roten zusammen: Hamburg: mit ein paar Torchance, aber ohne Chance das Spiel gewinnen zu können! Leverkusen: überlegen, leidenschaftlich, kämpferisch – und spielerisch, wie taktisch auf ganz hohem Niveau! Einmal Schü, zweimal Kies, drei zu null – und Schluss!

So könnte die Zusammenfassung per 140-Zeichen-Tweet in die Welt geschickt werden. Aber selbst für eine kurze Betrachtung der 90 Fußballminuten reicht das natürlich nicht. Da ich aber bekanntermaßen kein Freund umfassender sportlicher Analysen und Spielerkritiken bin (die packen wir mit Sicherheit in unsere beiden Saisonrückblicke, die Cathy mit Teil eins in Kürze eröffnet), versuche ich mal zu formulieren, was mir während des Spiels durch den Kopf gegangen ist.

Was für ein Auftritt von Neuzugang Sebastian Boenisch, der auf der linken Abwehrseite eine klasse Partie spielte. Er ersetzte Hajime Hosogai, der für Daniel Carvajal (Gelbsperre) auf die rechte Seite rückte. Zu dem kleinen Japaner muss man nicht mehr viel sagen: er spielt da, wo er spielen soll – und das immer ruhig, souverän und richtig gut. Im Notfall würde er sicher auch den Mannschaftsbus fahren. Ebenfalls nur Zuschauer nach der fünften gelben Karte: Stefan Reinartz. Für ihn durfte Jens Hegeler mal wieder zeigen, was für ein riesen Fußballer er ist. Einigen HSV-Kickern wird er sicher noch lange als dribbelnder Alptraum erscheinen, dank seiner feinen Technikdemonstration vor dem 2-0 durch André Schürrle – Bundesligatreffer 1900 von Bayer 04. Man könnte so jetzt jeden einzelnen unserer Jungs durchgehen, aber das kollektive WERKSELF-Loblied singen wir sicher an anderer Stelle.

Mit Ausnahme einer Strophe, die ich heute schon mal anstimme: Stefan „Kies“ Kießling. Er hatte vor dem Spiel die Fans aufgefordert, die Mannschaft mit aller Macht zu unterstützen – und die taten ihm und dem Team nach zwölf Minuten und zwölf Sekunden den Gefallen. Die Belohnung: Der 13. Bundesliga-Doppelpack von Stefan, der mal wieder – wie der Rest der Truppe auch – alles gab und mit seinem Lupfer über Adler seinen 98 Bundesligatreffer erzielte. Der erfolgreichste deutsche Stürmer 2012 übernahm damit auch Platz eins in der Torschützenliste – mit 12 Saisontoren.

Mit dem 3-0 war alles klar. Der BayArena-Chor auf den Rängen vereinte sich zu einem minutenlangen „Deutscher Vizemeister SVB“. Und ich weiß nicht, wie es euch gegangen ist – da steckte keine Spur Ironie, aber ganz viel Vizekusenstolz drin.

Mit dem Schlusspfiff verwandelte sich auch die BayArena in ein weihnachtliches Lichterspiel und die Veranstaltung steuerte unaufhaltsam dem emotionalen Höhepunkt zu. „Wir für euch – ihr für uns!“ hieß es auf dem Spruchband, das die WERKSELF –Kicker live auf dem Platz signierten, um es dann den Fans in der Kurve zu übergeben. Schon während der Übergabe konnte man erahnen, welcher Spieler in den folgenden Minuten zum Hauptdarsteller einer emotionalen Spontaninszenierung der Extraklasse werden würde: Renato Augusto! Unser Brasilianer mit der Nummer zehn wird gegen den HSV wohl sein letztes Heimspiel für die WERKSELF gespielt haben. Für ihn und uns ein Abschied, den wir alle sicher nie mehr vergessen werden. Renato vor der Nordkurve – die Hände vor dem Gesicht, den Kopf gesenkt und sichtbare Tränen der Rührung, der Trauer? Wer weiß das schon? Klar, dass Renato erste Wahl war: für den Mann auf dem Zaun, für den UFFTA-Dirigenten. Auch wenn er sich zunächst etwas sträubte, so hatte ich das Gefühl einen glücklichen Renato zu hören: ob beim Uhhhh, oder beim Telefon-T!

Auf den Schultern seiner Mitspieler durfte er sich noch einmal höchst geehrt fühlen und die BayArena sagte ein letztes Mal „DANKE, OBREGADO RENATO“.

Ich habe ihn übrigens eine Stunde nach Abpfiff in der Mixed-Zone der BayArena getroffen. Renato hat mich fest in den Arm genommen, immer noch mit Tränen in den Augen und Danke“ gesagt – oh man, was für ein Moment und was für ein Ende dieses fantastischen 17. Spieltages.

Im Pokal geht es für die Jungs nächste Woche nach Wolfsburg, bevor es am 18. Spieltag schon wieder zu einem Knallerspiel in der BayArena kommt. Die Eintracht aus Frankfurt spielt im Januar in Leverkusen und für das Spiel gegen einen unserer direkten Verfolger wünsch ich mir wieder so eine Geschichte wie heute.

Wie wäre es denn hiermit: Stefan Kießling trifft dreimal und erzielt seine Bundesligatreffer 99, 100 und 101! Toll oder?

Ach ja, das dritte Tor von Kies wäre dann für die WERKSELF das Bundesligator Nummer …

… 1904!

ICH FREU MICH DRAUF

Euer Klaus

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