Auf Wiedersehen Europa – hallo Fürth

So, das war es also mit der Europa League. Ich habe das Spiel nicht gesehen – ich lag krank im Bett und habe geschlafen. Wenn ich mir einen Großteil der Kommentare auf Facebook und Twitter zu dem Spiel durchlese, war das nicht die schlechteste Entscheidung.

Ich habe nach wie vor den Vorsatz: ich schreibe nichts über Spiele, die ich nicht gesehen habe. Dabei bleibe ich auch. Was bleibt ist die Tatsache, dass wir raus sind und das alles ein wenig so klingt wie immer. Schürrle ist doof, Schürrle trifft und ist toll, keiner verwandelt Boenischs Flanken und schon wieder wird mächtig Zeit geschunden.

Genau da kommt jetzt auch mein Einsatz. Zum Spiel kann und will ich nichts sagen, aber zum Zeitschinden, da habe ich ne Meinung. Es gibt tatsächlich kaum etwas, das ich unsportlicher finde. Leider ist es eine Unart, die nicht vom Platz zu bekommen ist und ich finde es schon fast putzig, wie sich Spieler darüber aufregen, denn wenn wir mal ehrlich sind: wenn es darauf ankommt, schinden sie alle Zeit.

Warum muss man so etwas machen? Im Grunde stellt man sich durch dieses Verhalten ein Armutszeugnis vom Feinsten aus. Traut man sich selber nicht zu, nur durch die eigene Leistung zu gewinnen? Sieht man den Gegner als zu stark an und sich selber als zu schlecht? Fakt ist und bleibt: es ist grob unsportlich und ich würde mir wünschen, dass es öfter mit Karten geahndet wird auch wenn es Leverkusen damit des öfteren auch erwischen würde.

Was ich aber auch des öfteren gelesen habe, ist dass wir die klar bessere Mannschaft waren und leider das größere Pech hatten. Kann ich nichts zu sagen, aber das ist etwas, das ich in letzter Zeit auch recht häufig gedacht habe. Wir schaffen es bis vors Tor, haben viele Abschüsse, kriegen das Runde aber nicht ins Eckige. Das Nervt und daran sollte sich tatsächlich etwas ändern. Aber kann man das wirklich üben? Ich hoffe es. Was unsere Jungs ganz klar angehen sollten sind Standardsituationen. Freistöße und Ecken sind bei uns weitestgehend ungefährlich und das, obwohl wir doch einige große Spieler im Kader haben.

Das Thema Europa ist jetzt für mich durch. Gedanken werde ich mir da erst wieder drüber machen, wenn wir wieder international spielen – also hoffentlich in der nächsten Saison. Jetzt geht es erst einmal gegen Fürth. Das ist ein Spiel, das ich nicht wirklich einschätzen kann. Grundsätzlich könnten wir dort locker gewinnen, aber wer weiß, was dort nach dem Trainerrauswurf alles möglich ist? Ich hoffe, dass unsere Jungs fit genug daran gehen und am Ende mit drei schönen Punkten nach Hause fahren.

Was meinst du Klaus?“

„Na klar Cathy, die drei Punkte aus dem Frankenland habe ich fest eingeplant.“ Es wird sicher keiner dieser vielzitierten Selbstläufer, das werden die Fürther mit Einsatz und Leidenschaft zu verhindern wissen. Für viele Spieler ist so ein Trainerwechsel ja die Chance auf einen Neuanfang im Team. Allerdings sollten uns die Personalentscheidungen der Fürther nicht wirklich interessieren und ein Erfolg unserer Schwarz-Roten als Pflichtaufgabe betrachtet werden. Die Mannschaft hat es aufgrund ihrer Klasse selbst in der Hand und sollte mit dem Anpfiff zeigen, dass es für die Gastgeber im Trolli Stadion nichts zu holen gibt. Eins können wir uns im Kampf um die Champions-League nicht leisten: Punktverluste beim Tabellenletzten!

Und das ist ja unser klares Ziel: die Champions-League-Hymne in der BayArena zu hören und wieder zu den Besten in Europa zu zählen. Ob als zweiter oder dritter – egal!

Und dass unsere Jungs in der Königsklasse der europäischen Kickerelite mitspielen können, davon bin ich überzeugt. Wer gegen Benfica Lissabon SO ausscheidet, der kann sich auch mit der einen oder anderen Truppe messen, die in der Champions-League noch dabei ist. Aber dazu muss natürlich alles stimmen und der Ball dorthin, wo er dem eigenen Erfolg am ehesten dient – in das Tor des Gegners! Und da sind wir auch schon beim Thema, wie ein Blick auf die Bayer-04-Homepage zeigt:

  • „Dafür boten sie Benfica einen großen Kampf. Aber irgendwie wollte diese verdammte Kugel nicht ins Tor! Zweimal Pfosten! Ein Millimeter-Abseitstor. Was für ein Drama…“ (Express)

  • „Dieses Aus musste nicht sein! Bayer 04 hat den Pfosten-Fluch.“ (Bild) 

  • „Pfostentreffer stehen Erfolg im Weg. Der Tabellendritte der Bundesliga übernahm im Estadio da Luz sofort das Kommando und spielte couragiert nach vorne.“ (Kölnische Rundschau)

  • „Bayer 04 scheitert in Lissabon am Pfosten.“ (Rheinische Post online)

Kampf, Courage und Engagement – das habe ich auch gesehen. Ich muss dazu sagen, dass ich nur Zeuge einer tonlosen Übertragung der Konferenz im Münchner Bergwolf war. Das gesamte Spiel kann ich nicht einordnen. Aber schon während der ersten Bissen einer fantastischen, scharfen Currywurst (mit Pommes Schranke vom Feinsten) hatte ich ein unglaublich gutes Gefühl. Bei jeder Einblendung aus Lissabon war die Werkself in ihren weißen Auswärtstrikots am Ball und spielte und kombinierte munter nach vorne. Für uns (BayArena-DJ Alex war mit dabei) war es nur eine Frage der Zeit, wann dieses dringend benötigte „frühe Tor“ endlich fallen würde. Chancen gab es – mehr als genug!

Aber knapp vorbei ist auch daneben und Abseits ist, wenn der Schiri pfeift. Eine Was-Wäre-Wenn-Diskussion bringt nichts. Ob Pech oder Glück, verdient oder unverdient – das spielt am Ende keine Rolle. Die Portugiesen haben zwei Tore aus den drei Chancen gemacht und wir eben zwei Tore zu wenig geschossen. Trotzdem: die Mannschaft hat eine klasse Leistung gezeigt, deren Fortsetzung am Sonntag den nächsten Dreier in der Bundesliga zur Folge haben sollte. Das Spiel in Fürth werde ich mir dann hoffentlich wieder in voller Länge am TV anschauen können. Cathy und ich werden sicher das eine oder andere Wort darüber verlieren.

„Und Cathy – zu deinem Zeitspiel-Einwurf“: Ja, offensichtliches Zeitspiel nervt. Vor allem über Torhüter, die sich mit dem Ball stundenlang unterhalten bevor sie ihn wieder ins Spiel bringen, kann ich mich aufregen. Ob es grob unsportlich ist, weiß ich nicht – muss jeder für sich entscheiden. Am Ende ist es immer eine Entscheidung der Schiedsrichter, wann die Grenzen des Erlaubten überschritten sind und dann muss entsprechend sanktioniert werden. Ich gehe davon aus, dass die Nachspielzeit in Zukunft weiter zunehmen wird. Halbzeiten, die dann mindestens 50 Minuten dauern, werden wir immer häufiger erleben.

Der DFB-Pokal hat keine eigenen Gesetze!

Stimmt auffallend: Der DFB-Pokal hat keine eigenen Gesetze! Wer nicht mindestens ein Tor mehr als der Gegner erzielt ist raus – so oder so! Zum Last-Minute-Aus in Wolfsburg gibt es – rein sportlich – aus meiner Sicht auch nicht so viel zu sagen. Ich habe das Spiel mit meinem Kumpel Matthes geschaut, der ja in seiner kölschen Betrachtungsweise die reine Fußball-Lehre immer sehr trocken interpretiert: „Dat hätt nit sinn müssen!“

Genau – auf den Punkt gebracht. Das habe ich mir nach der ersten Enttäuschung auch gesagt: „Hätte es nicht, ist aber so“. Weil wir es leider nicht geschafft haben, die Leverkusen/Wolfsburger Führung durch Boenisch/Fagner rechtzeitig mit dem einen oder anderen Tor auszubauen. Ein zweiter Treffer der WERKSELF wäre mit Sicherheit der Schlüssel für das Tor zum Viertelfinale gewesen.

Aber es ist nun mal nicht jedes Spiel ein Fußball-Feuerwerk, nicht jedes Mal können und dürfen wir eine Demonstration taktischer und spielerischer Überlegenheit erwarten. Im Wolfsburg hat am Ende die Mannschaft gewonnen, die die Fehler des Gegners entscheidend für sich genutzt hat. Das Spiel sah über 90 Minuten keine Mannschaft, die aufgrund zwingender Chancen nur auf den nächsten Treffer ins gegnerische Tor warten musste.

Ein Eigentor der Wolfsburger, eine insgesamt schlampig gelöste Situation im Strafraum der WERKSELF – das 1-1 war ein logisches Ergebnis der Pokaltagesform beider Teams und irgendwie haben nur noch auf den Abpfiff und auf die nächsten 30 Minuten Spielzeit gewartet. Warum wir unser kaltgestelltes Verlängerungskölsch bis auf Weiteres dem Kühlschrank überlassen haben?

Unsere Jungs haben es leider nicht geschafft, den zweiten Treffer nachzulegen, als sich die Wölfe noch kollektiv Gedanken über die Entstehung des 0-1 machten. Nein – im Gegenteil! Es waren die Wolfsburger, die immer mal wieder eine Art von Gefahr im Bayer-Strafraum produzierten. Allerdings stand ja Leverkusens Bester im Tor – Bernd Leno zeigte in diversen Situationen, was wir da für einen klasse Jungen zwischen den Pfosten stehen haben. Die Tore konnte er beim besten Willen nicht verhindern und sein Team wirkte gerade in der zweiten Hälfte wenig angriffslustig. Vom schnellen Umschalten nach erzwungener Balleroberung mit unmittelbarem Stürmereinsatz, wie vor allem gegen den HSV perfekt praktiziert, war wenig bis nichts zu sehen. Und so mussten Strafraum- und Stürmerszenen zwangsläufig in die Kategorie „Mangelware“ eingeordnet werden.

Die Gegentore waren, wie schon in Hannover, die Folge individueller Missgeschicke. Sie einzelnen Spielern vorzuwerfen, die in den Wochen zuvor mit Klasseleistungen für den zweiten Platz sorgten, halte ich für bedenklich. Natürlich war Ömers Aktion unglücklich – und das kann er sicher besser. Aber ohne den unnötigen Ballverlust bei der eigenen Offensivaktion zuvor, wäre es dazu gar nicht erst gekommen.

Wer gemeinsam mit dem Team die Siege feiert, der muss auch mit der Mannschaft die Niederlagen ertragen. Und ja – ich verstehe jede Enttäuschung über das Pokal-Aus. Auch ich hätte gerne mal wieder ein Pokalheimspiel erlebt, oder eine emotionale Partie mit unseren Freunden aus Offenbach. Was mir aber definitiv nicht in den Sinn kommt: Der pokaltechnisch missglückte Jahresabschluss reduziert meine Freude über die Hinrunde und den Stolz auf unsere WERKSELF um genau null Prozent.

Auf nach Lissabon

Seit dem frühen Nachmittag wissen unsere Fans jetzt auch, dass es am 21. Februar ins schöne Lissabon geht – sicher eine lohnenswerte Tour nach Portugal, touristisch in jedem Fall. Mit den sportlichen Aussichten der WERKSELF im Europapokal werden wir uns hier im Blog befassen, wenn es soweit ist. Fest steht: Im Hinspiel gegen Benfica, am 14. Februar in der BayArena,  muss die Grundlage für das Achtelfinale gelegt werden. Dort würde der Sieger des Duells Dynamo Kiew gegen Girondins Bordeaux auf die Schwarz-roten warten.

Alles Weitere zu unseren Gedanken, Meinungen, Rückblicken und Ausblicken lest ihr in Kürze in unseren ganz persönlichen WERKSELF-Bilanzen 2012 (Cathy macht nächste Woche den Anfang)!

Ich wünsche euch eine wunderschöne Weihnachtszeit und einen tollen Start in das neue Jahr!

Schwarz-rote Grüße
Klaus