Fußballfans sind keine Verbrecher

Ihr Lieben,

es ist mal wieder an der Zeit, dass ich mich über die Sicherheit in deutschen Stadien auslasse. Dass das Thema mich schon länger beschäftigt, dürfte dem ein oder anderen bekannt sein und ist an anderer Stelle nachlesbar. Ich habe mich schon ums Stadion herum unsicher gefühlt – Grund dafür war jedoch die Polizei. Die letzten Vorfälle in Dortmund und Schalke sind für mich schlichtweg nicht ok und zeigen leider recht deutlich, dass es ein Problem gibt, bei dem es an der zeit ist nicht mehr weg zu schauen.

Ich weiß, dass es einige gibt die recht empfindlich darauf reagieren, wenn man sich positiv zu andere Vereinen äußert – in dem Fall finde ich aber, dass man da eine Ausnahme machen kann und soll. Das was auf Schalke und in Dortmund passiert ist, ist alarmierend. Eine sehr gelungene Zusammenfassung der Problematik gibt es auf Schwatzgelb: Der Konflikt zwischen Fans, Polizei und Politik ist seit dem Relegationsspiel zwischen der Hertha und Fortuna eskaliert. Sicher, das waren nicht die geilsten Bilder und sicher gab es dort Situationen die nicht ganz ungefährlich sind, aber: Wie viele Platzstürme gibt es in der Bundesliga? Wie viele Spiele sind derart aufgeheizt, dass die Zuschauer im Stadion um ihre Gesundheit fürchten müssen?

Wenn man sich in Leverkusen umschaut muss ich sagen: Das war bei mir bisher keins. Sicher, wenn der FC da ist, dann ist schon eine gewisse Spannung in der Luft und ich verstehe auch, dass es vor den Spielen und auch danach sinnvoll ist, die Fans im Auge zu behalten (wobei die gewaltbereiten deutlich in der Unterzahl sind!), aber ich verstehe nicht, warum die Polizei eine solche Präsenz im Stadion einnehmen muss. Im Stadion habe ich noch nie erlebt, dass die Situation eskaliert. Möchte die Polizei zukünftig für jeden gezückten Bengalo in den Block stiefeln? Das halte ich nach dem was auf Schalke passiert ist für die Zuschauer für gefährlicher als ein Bengalo sein kann. Aber wenn sie schon für eine gehisste Flagge stürmen, dann ist der Gedanke nicht ganz so abwegig.

So wenig ich die Reaktion des Innenministeriums und der Polizei auf die Kritik auch nachvollziehen kann, sie zeigt deutlich dass etwas ganz gewaltig schief läuft. Der Fußballfan ist unlängst als Verbrecher abgestempelt, die Medien (sicher nicht alle, aber einige im Besonderen), verbreiten diesen Unsinn. Ich war extrem geschockt zu hören, dass Leute aus meinem Umfeld, die mit Fußball wenig zu tun haben, den Einsatz der Polizei auf Schalke für rechtmäßig eingestuft haben, denn „Man wisse ja, da stehen nur Kriminelle! Da wird das schon richtig gewesen sein!“. Ich muss zugeben, ich war schockiert, aber letztendlich überrascht es mich nicht.

Ich bin Wuppertalerin und schon aus der lokalen Nähe heraus interessiere ich mich für den WSV. Einige werden sicher mitbekommen haben, dass der Verein nach seinem freiwilligen Abstieg durch Insolvenz erst einmal keine Auswärtsspiele bestreiten durfte. Der Grund: Die ZIS vermutete 300 gewaltbereite Fans, von denen viele in Kategorie C einzuordnen seien. Das hat gesessen und zeigt, wie willkürlich die ZIS arbeitet. In der vergangenen Saison war es schon stark, wenn überhaupt 300 Fans sich ein Spiel des WSV angeschaut haben – die Ultras sind auf Grund der nicht haltbaren Geschäftsführung erst gar nicht mehr ins Stadion gekommen. Die Leute die ich bei zwei Spielen gesehen habe, waren in der Regel um die 60. Sind das die herangedichteten C-Kategorie Fans der ZIS? Oder sind es jene 10-15 Mann, die der alte Geschäftsführung im Internet offen und unter Angabe des eigenen Namens gedroht haben? Man weiß es nicht. Das Ende vom Lied: Die ersten Auswärtsspiele müssen jetzt nachgeholt werden und das unter extrem hohen Sicherheitsauflagen und das Bild des WSV-Fas ist mehr als nur angekratzt. Das erste Auswärtspiel wurde übrigens von ca 800 Wuppertalern begleitet. Ausschreitungen gab es keine und das einzige Ärgernis war die lange Wartezeit am Würstchengrill.

Dennoch: Das Image ist kaputt und ZIS, Polizei und Innenministerium tun ihr Bestes um daran nichts zu ändern. Polizisten vor Spielen erlebe ich im besonderen Maße angespannt. Da ist man auch zu Kindern, Jugendlichen oder Leuten ohne Trikot oder Fanutensilien mehr als unfreundlich – denn man weiß ja nie wer ein getarnter gewaltbereiter Fan ist. Mit anderen Worten: Wir sind oftmals Vorverurteilte und das ohne Grund. Das ärgert mich.

Wenn jetzt also die Polizei beschließt, nicht mehr im (und ums) Stadion präsent zu sein, dann sehe ich das als große Chance den ganzen Kritikern zu zeigen, dass sie dort überhaupt nicht benötigt werden. Wir sind keine Verbrecher und wir gehen auch nicht ins Stadion um uns zu prügeln. Wir sind dort um unsere Mannschaft zu unterstützen. Wir sind da um ein schönes Spiel zu sehen. Ich wünsche mir, dass sich jede Geschäftsführung so klar vor die eigenen Fans stellt, wie es auf Schalke passiert ist und ich hoffe, dass jetzt vielleicht doch langsam wieder ein Umdenken passiert, denn Fußballfans sind keine Verbrecher!

Wie seht ihr das? Benötigen wir Polizei in den Stadien und wie kann ein Umdenken passieren?

4. Spieltag

4. Spieltag (31.08.2013)

Schalke 04 – Bayer Leverkusen

So, wir haben unsere erste Niederlage. Schalke hat mit 2:0 zu Hause gewonnen und mit was? Mit Recht und überaus verdient.

Nach dem Spiel habe ich in Facebook geschrieben, ich muss meine Nerven einsammeln. Ich habe mich bewusst abgemeldet und habe versucht, meine Nerven woanders zu suchen und zu finden. Es ist mir nur zum Teil gelungen.

Folglich habe ich mich wieder eingelogt und ein paar Meinungen zum Spiel gelesen. Man liest, verinnerlicht und zieht seine eigene Meinung raus. Dort habe ich dann meine restlichen Nerven wiedergefunden. Was da geschrieben wurde entbehrt jeder Fankultur. Ich möchte da auch nicht weiter drauf eingehen, aber was mich mal richtig, gelinde gesagt, stört, sind die ewigen Nörgeler. Die treten jetzt wieder alles kaputt.

Klar haben wir jetzt mal wieder ein Spiel verloren. Es ist auch klar, dass dies mich genauso runterzieht, wie manch anderen. Dennoch gibt es solche Tage an denen nichts passt. Da war an diesem Tag der Gegner einfach besser; kleverer; abgewichster ….. Ich lasse das einfach mal so da stehen.

Ja, wir haben auf Schalke verloren … Ja, es war ein schlechtes Spiel von der Werkself … und verdammt noch mal, es ärgert mich auch.

Ich weiß …. wir alle wissen, die Jungs können es besser. Es ist eine gute Truppe, ein gutes Team. Mich hat richtig gefreut, dass Robbie und Emre einige Minuten Einsatzzeit bekommen haben.

Alles im Allem kann die Werkself und auch wir Fans aus diesem Spiel einiges mitnehmen. Zum einen sind nicht alle Spieltage rosige Tage. Nicht alle Spiele können gewonnen werden. Verlieren gehört zum Spiel. Die Werkself hat dennoch einen gelungenen Saisonauftakt hingelegt. Ich jedenfalls sehe weiterhin positiv und optimistisch der Zukunft entgegen.

Für uns Fans wird es ganz wichtig sein, beim nächsten Spiel volles Rohr zu geben und den Jungs zeigen, dass wir, trotz Niederlage, hinter ihnen stehen.

In diesem Sinne wünsche ich euch noch ein schönes Wochenende.

Euer

Ralf

Es geht wieder los – Ein Spielbericht von Ralf

Ihr Lieben,

jetzt rollt der Ball wieder! Das Spiel gestern hat mir gut gefallen, wenn ich auch nicht alles sehen konnte. Ich will jetzt nicht voreilig Spieler in den Himmel loben, aber ich denke über Son werde ich in ein paar Wochen noch einmal schreiben. Kommen wir aber zu dem gestrigen Spiel. Ich hatte ja in die Runde gefragt ob einer von euch nicht etwas zu ´dem Spiel schreiben mag. Ich finde es immer spannend zu lesen, wie andere Leute so ein Spiel sehen, was ihnen auffällt, wie die Stimmung bei ihnen war und… und… und! Dieses Mal bekommt ihr eine Zusammenfassung vom lieben Ralf Winkelmann, der nicht nur Admin einer ganz tollen Bayer Fangruppe auf Facebook ist, sondern auch Fan der Werkself mit Herz und Seele. Ich sage an dieser Stelle Danke fürs Schreiben und wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen. Solltet ihr jetzt auch Lust bekommen haben etwas zu schreiben, dann meldet euch bei mir! Grade beim ersten Heimspiel wird es sicher einiges zu berichten geben! Ich freue mich von euch zu hören und Ralf freut sich sicher darüber, mit euch ins Gespräch zu kommen.

1. DFB Pokalrunde Saison 2013 / 2014 – SV Lippstadt 08 – Bayer 04 Leverkusen

Dies war es also, das erste Pflichtspiel unserer Werkself in der Saison 13/14. Meine Einschätzung ist auch recht schnell erzählt. Ich lag mit meinem Tipp nur ein wenig daneben. Im Vorfeld habe ich ein 1:9 getippt. Leider haben da 3 Tore gefehlt. Hätte wenn und aber gehören beim Sport eigentlich nicht gesagt, oder geschrieben. Zählen wir einfach die Alluminiumtreffer hinzu, dann passt das.


Jetzt aber zum Spiel selber. Der schnelle Treffer von Bender war richtig Klasse. Eine Minute später der Ausgleich durch den SVL. Danach war das Spiel ein wenig fahrig von Seiten der Werkself. Generell hatte ich das Gefühl, die Truppe ist noch nicht richtig eingespielt. Hatten sie den Gegner falsch eingeschätzt? Gab es vielleicht eine mangelnde Einstellung, weil der SVL gerade erst in Liga 4 aufgestiegen war? Mir fehlten noch ein wenig die Laufwege und die dadurch mangelnde Passgenauigkeit war das Resultat.


Ich möchte dem SV Lippstadt 08 ein Riesen Kompliment machen. Der Regionalligist hat versucht mitzuspielen. Vor allem Christoph Sander im Tor hat mir richtig gut gefallen. Was der rausgeholt hat … Respekt.


Für mich war es ein souveräner und solider Auftritt einer Bundesligamannschaft gegen einen Regionalligisten. Das Spiel hatte für mich den Charakter eines Vorbereitungsspiels, wo nochmals getestet werden kann. Dieses 1:6 für die Werkself spricht da Bände. Vor Allem haben mich die Neuzugänge interessiert. Die haben ja nun auch ihr erstes Pflichtspiel für Bayer gemacht. Ich muss sagen, mich haben alle überzeugt. Ob ein Donati, Spahic, Son, oder auch Hilbert. In meinen Augen alle eine Bereicherung der Werkself. Aber warten wir da mal ab, wenn es um ‚richtige’ Gegner geht. Damit meine ich eben halt Profiklubs auf BL und CL ebene.
Freue mich schon auf nächsten Samstag, wenn es heißt den ersten Buli Gegner zu schlagen. Dieser ist kein geringerer als der SC Freiburg. Die Breisgauer sind bei uns zu Gast und ich hoffe, wir werden dieses Spiel rocken.
Bis dahin …
Euer Ralf

Zwischen Transferchaos und Kaderplanung

Es ist wieder soweit. Die Saison neigt sich dem Ende zu und der Transferpoker beginnt. Doch nicht nur die Vereinsbosse und Spieler plagen sich mit dem Thema herum. Die Zeitungen scheinen sich täglich mit spektakuläreren Spekulationen und auch in Fankreisen werden Spieler nach Belieben hin und her getauscht. Was dabei herauskommt ist ein buntes Potpourri an neuen Mannschaftszusammenstellungen und viel böses Blut, wenn ein vorgeschlagener Spieler in Fankreisen nicht so gut angenommen wird.

Als Leverkusener ist es in den letzten Wochen die Personalie Andre Schürrle, die die Gemüter erhitzt und schon den ein oder anderen Streit provoziert hat. Dazu werde ich jetzt nichts schreiben. Das kann ich machen, wenn in dem Fall eine Entscheidung getroffen wurde, aber diese Spekulationen sind nichts für mich. Zu Schürrle kommt nun die Meldung, dass Robbie Kruse zu uns wechselt. Dazu habe ich tatsächlich noch keine Meinung, denn ich habe ihn so gut wie nie spielen sehen. Aber ich habe eine Meinung zu dem Spielertyp, für den er steht.

Wie oft ich schon gelesen habe, Leverkusen solle einen erfahrenen Spieler verpflichten – wie etwa Berbatov- kann ich schon gar nicht mehr sagen. Wer mich kennt, weiß was ich davon halte. Nichts. Ich würde es schon fast das Bayern-Prinzip nennen. Man holt sich alle zwei bis vier Jahre einen oder mehrere Top Spieler, die Erfahrung haben, auf ihrer Position gut sind und nach der Zeit geht das Spiel von vorne los. Dazu fehlt uns, vorsichtig ausgedrückt, das Geld. Wir können uns nicht alle paar Jahre Spiele für die erste Mannschaft kaufen, die dann möglichst schnell zusammen wachsen und durch Klasse bestechen.

Das Modell, das ich gerne sehe und auch bei uns wiederfinde, ist das des Ausbildungsvereins. Wir kaufen uns (recht günstig) mehr oder minder junge Spieler, bauen sie auf und bilden sie so aus, dass sie in unserer Mannschaft gut spielen. Am Ende kommt dabei ein guter Spieler mit Erfahrung raus, denn man entweder halten kann oder für einen hohen Betrag verkaufen kann. Letzteres finde ich nicht so super. Finanziell macht es Sinn, aber ich denke dass eine Mannschaft dann viel Erfolg haben kann, wenn sie perfekt aufeinander abgestimmt ist. Dass diese Abstimmung wichtig ist, konnte man grade bei dem Spiel der Dortmunder gegen Real Madrid sehen. Der Kaderwert der Spanier ist extrem hoch – da spielen Superstars. Dagegen kommen die Dortmunder so gut sie auch einzeln sind – nicht an. Aber sie spielen einen soliden, guten Kombinationsfußball. Da weiß jeder, wo der andere steht und so kriegt man die Bälle nah vors Tor und mit einem super Stürmer auch darein.

Wir haben so einen Stürmer. Sein Problem? In den letzten Spielen habe ich ihn ständig in unserem Strafraum gesehen. In Mittelfeld entsteht eine Lücke? Kies schließt sie. Die Abwehr pennt, er ist zur Stelle. Das ist extrem ärgerlich, aber darum soll es heute nicht gehen. Ich denke, wir brauchen junge Spieler, die wir so schnell wie möglich in das System unserer Mannschaft integrieren und die wir über mehr als zwei Jahre halten können. Das ist nicht leicht und grade der Fall Götze hat einmal mehr gezeigt, dass noch so große Treuebekenntnisse und Loyalität nichtig sein können, wenn der große FCB und Guardiola winken. Aber ich denke ein Versuch ist es wert.

Wir können uns die Starspieler nicht leisten, die uns ein Spielsystem wie beim FCB ermöglichen. Warum sollten wir es also versuchen? Für mich liegt die Zukunft unseres Vereins in der Ausbildung. Mit einer Mannschaft, in der das Vertrauen untereinander da ist und Absprachen funktionieren ist auch die Meisterschaft drin – daran glaube ich ganz feste.

Was meint ihr? Jugendarbeit oder mehr Geld für Stars? Was bringt die Werkself zum Titel?

Von verpatzten Chancen und einem flauen Gefühl

Ich sitze hier seit einer guten Stunde und versuche die Überschrift für den Blogpost zu verfassen. Irgendwie will das nicht so recht werden. Vor dem Spiel hatte ich viele Aufhänger – grade die Frage ob Wolfsburg uns wieder in unsere Schranken weist, war mehr als präsent. Das haben sie zum Glück nicht. Die Aussage mag dem ein oder anderen vielleicht komisch vorkommen, schließlich haben wir keinen klaren Sieg vom Platz getragen. Aber mal ganz ehrlich? Das haben unsere Jungs selber verbockt!

Wir hätten schon nach der ersten Halbzeit mit mindestens 3 Toren vorne liegen müssen. Wer sich so viele Chancen durch die Finger gleiten lässt, der darf sich über ein Unentschieden nicht beschweren. Die Zahl der Fehlpässe war extrem hoch und wenn der Gegner in der Mitte zu macht, dann haben wir noch immer ein Problem. Sicher, Wolfsburg hat in manchen Situationen nicht schön gespielt und ich muss gestehen, die ein oder andere Schirieentscheidung habe ich auch nicht verstanden (was durchaus an mir und nicht an ihm liegen kann), aber dass wir nicht gewonnen haben, war unsere eigene Schuld.

Allerdings gab es auch Dinge, die mich positiv überrascht haben. Großer Spitzenreiter ist da André Schürrle. Sicher kann er noch mehr, aber ich habe ihn zum ersten Mal seit langem wieder richtig effektiv erlebt und das Gefühl gehabt, dass er aktiv mit der Mannschaft zusammen spielt. Das mache ich nicht nur an seinem Tor fest, das mir echt gut gefallen hat, sondern grade an seiner gesamten Leistung in der ersten Halbzeit.

Gewohnt stark waren auch unsere Außenverteidiger. Da waren zwar einige Szenen bei, in denen mir das Herz in die Hose gerutscht ist, aber es macht immer wieder Spaß ihnen bei der Arbeit zuzuschauen. Besonders imponiert hat mir, dass sich das Publikum um mich nicht hat unterkriegen lassen. Sicher, da wurde viel geflucht, aber es sind erstaunlich viele da geblieben und haben sich von unseren Jungs verabschiedet und das finde ich stark.

Was bleibt ist ein flaues Gefühl im Magen. Ich glaube nach wie vor daran, dass unsere Jungs den direkten Einzug in die Königsklasse schaffen können, aber das Leben ist nun mal kein Konjunktiv. Vor uns liegen noch ein paar Spiele und grade Schalke dürfte nicht einfach werden. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und zumindest der Kampfgeist ist schon da.

Wie würdet ihr das Spiel bewerten?

Ungewohnte Perspektiven und wie wir uns selber im Weg standen

Das war es also, unser Spitzenspiel gegen die Bayern. Ich weiß nicht richtig wo ich anfangen soll, außer am Anfang. Als ich in den Block kam, staunte ich nicht schlecht – da war doch tatsächlich der Zaun hoch gefahren. Wenn man direkt dahinter sitzt, sieht man tatsächlich nicht viel und kommt sich zusätzlich vor, wie ein Tier im Zoo. Das es Teil einer Choreo war, konnte man schnell sehen, dennoch muss ich zugeben, dass es ein komisches Gefühl war. Vielleicht sollte ich darauf bestehen, dass mich beim nächsten Mal jemand durch den Zaun mit Schoko füttert (um das Zoo-feeling zu verstärken), aber nun gut, ich glaube da wird sich niemand finden.

Die Choreo an sich sah schon echt genial aus. Ich habe es auf dem Monitor gegenüber sehen können – bevor jemand fragt: ich bin auf meinen Sitz geklettert – und war ehrlich beeindruckt. Auch wenn ich mir heute Fotos davon anschaue, lässt das stolze Gefühl, ein Teil davon gewesen zu sein, nicht nach.

Naja und dann kam das Spiel. Ich habe nicht viel erwartet, weder in die eine, noch in die andere Richtung. Es war nicht das beste Spiel in dieser Saison, aber bei weitem auch nicht das schlechteste. Die Bayern waren klar nicht in Form und das unnötige Zeitspiel des Manuel Neuers ist mir gehörig auf die Nerven gefallen, aber am Endergebnis ändert es nichts. Wir haben verloren und ganz ehrlich? Schuld daran waren nicht die Bayern. Chancen auf Tore hatten wir doch einige – alleine unsere gefühlt zig trillionen Ecken hätten uns in Führung bringen können.

Nun ja, das Leben ist nun mal kein Konjunktiv – wahlweise auch kein Ponyhof. Leider. Das Spiel hat ganz deutlich gezeigt, dass wir unser eigener Gegner sind und ich glaube auch nicht, dass sich das von heute auf morgen ändern wird. So gut wie keine der Ecken war hoch genug und die Passgenauigkeit war auch eher unschön. Dafür haben wir deutlich mehr Zeit als sonst im gegnerischen Strafraum verbracht und die Bälle nicht so schnell nach hinten gegeben. Was mir allerdings am meisten gefallen hat, ist die Tatsache, dass unsere Jungs nicht aufgegeben haben. Wie sah das für dich aus, Klaus?“

„Mit Sicherheit ähnlich, Cathy!“ Auch wenn ich das Spiel aus einer anderen Perspektive gesehen habe – und das beziehe ich in erster Linie auf meine Sitzposition während der 90 Minuten. Was ich gesehen habe ist schnell erzählt und offenbart sicher keine großartigen Neuigkeiten. Die 30 Minuten rund um den Ausgleich unserer Jungs haben gezeigt, dass die Werkself kämpfen kann, wenn es drauf ankommt. Inwieweit die Bayern hier mehr zugelassen haben, als es aus Sicht des 20-Punkte-Primus nötig war, überlasse ich mal der öffentlichen Diskussion. Fakt ist: In der ersten Halbzeit haben wir es versäumt, die notwendige Portion „Wir–zeigen-es-den-Bayern“ einzubringen. Ich hatte auch immer das Gefühl, dass die Münchner jederzeit und nach Bedarf hätten zulegen können. Die Standards und die Fehlpässe hast du ja schon angesprochen. Auch der Führungstreffer hat mir beim abendlichen TV-Studium noch einmal den einen oder anderen Stoßseufzer entlockt. Ein Münchner, etliche Leverkusener – drin das Ding! Ob wir es hier mit einer vollwertigen Meistertruppe, einer besseren B-Elf, oder einer schlechteren A-Elf zu tun hatten, lassen wir mal eben links liegen. Die Aufstellung der Bayern war sicher nicht der Grund für die Abwesenheit eines Spiels auf Top-Niveau.

Der Ausgleich war verdient, weil die Bayern das Ding mal so eben zurück in den Freistaat schaukeln wollten. Die erneute und letztlich entscheidende Führung eine Verkettung von Ereignissen an deren Ende die Schulter von Wolle die unglücklichste aller Rollen spielte. An dieser Stelle vom oft strapazierten Bayern-Dusel zu sprechen fällt mir allerdings schwer. Wenn ich an den Sieg im Hinspiel denke und an die Art und Weise, wie dort die Tore gefallen sind, fällt mir eher so was wie ausgleichende Gerechtigkeit ein.

Trotzdem Mist! Den Punkt hätte ich gerne mitgenommen – vor allem nach den Ergebnissen dieses Spieltages.

Auf der anderen Seite waren es genau diese Niederlagen unserer Konkurrenten um Platz drei, die letztlich dafür sorgten, dass sich meine schlechte Laune in Grenzen hält. Ich gehöre eh nicht zu denen, für die ein Sieg gegen München zu den schönsten aller Fußballerlebnisse zählt. Ein Sieg gibt drei Punkte, egal gegen wen. Und die Dreier hätten wir in Mainz und Führt holen sollen / müssen.

Also schauen wir nach vorne und freuen uns auf das, was kommt. Ich bin sicher, dass unsere Jungs nicht mehr viele Punkte abgeben werden und am Ende den direkten Einzug in die Champions-League packen – und genau das zählt!

Und die Choreo war echt der Hammer!

Frust! Frust über Dummheit und den Mangel an Respekt!

Mir fällt es außerordentlich schwer, ein paar vernünftige, grammatikalisch korrekte Zeilen aufs Papier zu bringen, denn ganz ehrlich? Ich war lange nicht mehr so enttäuscht und traurig. Das was sich nach dem letzten Spiel in Fankreisen auftut ist gelinge gesagt abartig. Wir haben nur einen Punkt mitgenommen und kein Tor geschossen. Das ist frustrierend und diesen Frust lasse ich gerne jedem. Ich bin es auch – denn ich hatte mir einen klaren Sieg gewünscht. Naja, das Leben ist nun mal kein Ponyhof und Fußball ist noch immer ein Sport.

Das was sich zur Zeit im Internet abspielt – grade auf Facebook, das hat mit Fußball, dem Fan sein und auch mit Frust nichts mehr zu tun. Da werden Spieler nicht nur in Gruppen beleidigt, nein, das Ganze hat sich jetzt auf die Seiten der Spieler verirrt. Dort werden sie ganz offen beschimpft und angegriffen und zwar in erhöhtem Maße.

Ich weiß und bin mir sicher, dass die Mehrheit der Leute, die hier mitlesen darüber genau so entsetzt sind, wie Klaus und ich – deswegen seid ihr mit den nächsten Zeilen auch nicht angesprochen, aber es muss raus, sonst platze ich!

Ganz ehrlich? Ist euch nicht bewusst, dass am anderen Ende des PCs Menschen sitzen? Ist euch nicht klar, wie verletzend Worte sein können? Wie würdet ihr euch fühlen, wenn ihr so angegriffen würdet? Und ihr nennt euch Fans? Das Konzept solltet ihr überdenken! Mobbing ist immer ein no go und eure Beschimpfungen und Anfeindungen fallen genau darunter! Denkt ihr, dass ein Spieler – dem es dank solcher Anfeindungen wahrscheinlich noch schlechter geht als vorher – beim nächsten Spiel besser ist? Ganz sicher nicht. Das ist bloß zusätzliche Belastung.

Jeder der sich über die Verfassung unserer Jungs beschwert, sollte vielleicht seinen Job als Fan ernster nehmen. Es ist und bleibt die Aufgabe unserer Trainer den Spielern für nicht erbrachte Leistung den Arsch aufzureißen – nicht unserer! Ich sage es gerne ein weiteres Mal: Das sind alles Menschen! Behandelt sie mit dem gleichen Respekt, mit dem ihr behandelt werden wollt!

So, genug geschimpft! Für mich geht die ganze Konzentration auf Samstag und unser nächstes wichtiges Spiel.“ Wie sieht es bei dir aus Klaus? Magst du auch noch etwas dazu sagen?“

„Aber sicher Cathy!“ Eins vorweg: Fans dürfen und sollen kritisieren. Fans haben das Recht, sich über schwache Leistungen und verpasste Chancen aufzuregen! Weil Fans trotzdem hinter ihrer Mannschaft stehen und auch nach noch so miesen Darbietungen den nächsten Spieltag nutzen, um wieder alles für das Team zu geben. Einige sind in ihrer Kritik laut und deutlich, andere eher zurückhaltend. Was uns vereint, ist der Blick nach vorne und die Unterstützung für das Team – ob im Stadion, oder auch hier im Netz der unbegrenzten Möglichkeiten. Ich habe ja schon am Sonntagabend die eine oder andere Diskussion zu dem Thema geführt – da, wo sich diskutieren gelohnt hat.

Über die Vollpfosten, die du angesprochen hast, will ich mich gar nicht mehr aufregen, da ich sie sowieso nicht zu den sogenannten Fankreisen zähle. Hier wird Facebook zum Medium für Schreihälse, denen sonst niemand zuhört. Ich habe immer das Gefühl, diese   „Gefällt mir-Klick-Sammler“ fühlen sich persönlich beleidigt, wenn ihre Mannschaft verliert und kommen nicht damit klar, auch mal zu den Verlierern zu gehören: „Hey Erfolgsfans, kein Problem. Sucht euch einfach einen anderen Verein – wir freuen uns!“

Ich spreche hier natürlich nicht über euch – das ist klar! Ich weiß, dass viele von euch am Sonntag auch sehr enttäuscht und gefrustet waren – das habt ihr geäußert und das war so auch ok! Aber: Wer unsere Spieler (und auch die Menschen aus dem Club, die nicht unmittelbar auf oder neben dem Platz stehen).beleidigt, beschimpft und ihnen Verletzungen wünscht – der fällt bei mir definitiv nicht in die Kategorie Fan. Egal, ob er noch nie ein Spiel live gesehen hat, oder ob er sich mit seinen Vereinsfarben um den Fußballglobus gedreht hat.

Und noch was: Wir sind Tabellendritter der Fußball-Bundesliga und liegen einen Punkt hinter dem Meister aus Dortmund. Da jammern einige mal wieder auf ganz hohem Niveau!

Und jetzt konzentrieren wir uns auf den Samstag und das Spiel gegen Stuttgart. Mit einer Werkself, die alles geben wird und ihren Fans, die sie 90 Minuten lang bedingungslos unterstützen werden – da bin ich mir sicher!

Auf Wiedersehen Europa – hallo Fürth

So, das war es also mit der Europa League. Ich habe das Spiel nicht gesehen – ich lag krank im Bett und habe geschlafen. Wenn ich mir einen Großteil der Kommentare auf Facebook und Twitter zu dem Spiel durchlese, war das nicht die schlechteste Entscheidung.

Ich habe nach wie vor den Vorsatz: ich schreibe nichts über Spiele, die ich nicht gesehen habe. Dabei bleibe ich auch. Was bleibt ist die Tatsache, dass wir raus sind und das alles ein wenig so klingt wie immer. Schürrle ist doof, Schürrle trifft und ist toll, keiner verwandelt Boenischs Flanken und schon wieder wird mächtig Zeit geschunden.

Genau da kommt jetzt auch mein Einsatz. Zum Spiel kann und will ich nichts sagen, aber zum Zeitschinden, da habe ich ne Meinung. Es gibt tatsächlich kaum etwas, das ich unsportlicher finde. Leider ist es eine Unart, die nicht vom Platz zu bekommen ist und ich finde es schon fast putzig, wie sich Spieler darüber aufregen, denn wenn wir mal ehrlich sind: wenn es darauf ankommt, schinden sie alle Zeit.

Warum muss man so etwas machen? Im Grunde stellt man sich durch dieses Verhalten ein Armutszeugnis vom Feinsten aus. Traut man sich selber nicht zu, nur durch die eigene Leistung zu gewinnen? Sieht man den Gegner als zu stark an und sich selber als zu schlecht? Fakt ist und bleibt: es ist grob unsportlich und ich würde mir wünschen, dass es öfter mit Karten geahndet wird auch wenn es Leverkusen damit des öfteren auch erwischen würde.

Was ich aber auch des öfteren gelesen habe, ist dass wir die klar bessere Mannschaft waren und leider das größere Pech hatten. Kann ich nichts zu sagen, aber das ist etwas, das ich in letzter Zeit auch recht häufig gedacht habe. Wir schaffen es bis vors Tor, haben viele Abschüsse, kriegen das Runde aber nicht ins Eckige. Das Nervt und daran sollte sich tatsächlich etwas ändern. Aber kann man das wirklich üben? Ich hoffe es. Was unsere Jungs ganz klar angehen sollten sind Standardsituationen. Freistöße und Ecken sind bei uns weitestgehend ungefährlich und das, obwohl wir doch einige große Spieler im Kader haben.

Das Thema Europa ist jetzt für mich durch. Gedanken werde ich mir da erst wieder drüber machen, wenn wir wieder international spielen – also hoffentlich in der nächsten Saison. Jetzt geht es erst einmal gegen Fürth. Das ist ein Spiel, das ich nicht wirklich einschätzen kann. Grundsätzlich könnten wir dort locker gewinnen, aber wer weiß, was dort nach dem Trainerrauswurf alles möglich ist? Ich hoffe, dass unsere Jungs fit genug daran gehen und am Ende mit drei schönen Punkten nach Hause fahren.

Was meinst du Klaus?“

„Na klar Cathy, die drei Punkte aus dem Frankenland habe ich fest eingeplant.“ Es wird sicher keiner dieser vielzitierten Selbstläufer, das werden die Fürther mit Einsatz und Leidenschaft zu verhindern wissen. Für viele Spieler ist so ein Trainerwechsel ja die Chance auf einen Neuanfang im Team. Allerdings sollten uns die Personalentscheidungen der Fürther nicht wirklich interessieren und ein Erfolg unserer Schwarz-Roten als Pflichtaufgabe betrachtet werden. Die Mannschaft hat es aufgrund ihrer Klasse selbst in der Hand und sollte mit dem Anpfiff zeigen, dass es für die Gastgeber im Trolli Stadion nichts zu holen gibt. Eins können wir uns im Kampf um die Champions-League nicht leisten: Punktverluste beim Tabellenletzten!

Und das ist ja unser klares Ziel: die Champions-League-Hymne in der BayArena zu hören und wieder zu den Besten in Europa zu zählen. Ob als zweiter oder dritter – egal!

Und dass unsere Jungs in der Königsklasse der europäischen Kickerelite mitspielen können, davon bin ich überzeugt. Wer gegen Benfica Lissabon SO ausscheidet, der kann sich auch mit der einen oder anderen Truppe messen, die in der Champions-League noch dabei ist. Aber dazu muss natürlich alles stimmen und der Ball dorthin, wo er dem eigenen Erfolg am ehesten dient – in das Tor des Gegners! Und da sind wir auch schon beim Thema, wie ein Blick auf die Bayer-04-Homepage zeigt:

  • „Dafür boten sie Benfica einen großen Kampf. Aber irgendwie wollte diese verdammte Kugel nicht ins Tor! Zweimal Pfosten! Ein Millimeter-Abseitstor. Was für ein Drama…“ (Express)

  • „Dieses Aus musste nicht sein! Bayer 04 hat den Pfosten-Fluch.“ (Bild) 

  • „Pfostentreffer stehen Erfolg im Weg. Der Tabellendritte der Bundesliga übernahm im Estadio da Luz sofort das Kommando und spielte couragiert nach vorne.“ (Kölnische Rundschau)

  • „Bayer 04 scheitert in Lissabon am Pfosten.“ (Rheinische Post online)

Kampf, Courage und Engagement – das habe ich auch gesehen. Ich muss dazu sagen, dass ich nur Zeuge einer tonlosen Übertragung der Konferenz im Münchner Bergwolf war. Das gesamte Spiel kann ich nicht einordnen. Aber schon während der ersten Bissen einer fantastischen, scharfen Currywurst (mit Pommes Schranke vom Feinsten) hatte ich ein unglaublich gutes Gefühl. Bei jeder Einblendung aus Lissabon war die Werkself in ihren weißen Auswärtstrikots am Ball und spielte und kombinierte munter nach vorne. Für uns (BayArena-DJ Alex war mit dabei) war es nur eine Frage der Zeit, wann dieses dringend benötigte „frühe Tor“ endlich fallen würde. Chancen gab es – mehr als genug!

Aber knapp vorbei ist auch daneben und Abseits ist, wenn der Schiri pfeift. Eine Was-Wäre-Wenn-Diskussion bringt nichts. Ob Pech oder Glück, verdient oder unverdient – das spielt am Ende keine Rolle. Die Portugiesen haben zwei Tore aus den drei Chancen gemacht und wir eben zwei Tore zu wenig geschossen. Trotzdem: die Mannschaft hat eine klasse Leistung gezeigt, deren Fortsetzung am Sonntag den nächsten Dreier in der Bundesliga zur Folge haben sollte. Das Spiel in Fürth werde ich mir dann hoffentlich wieder in voller Länge am TV anschauen können. Cathy und ich werden sicher das eine oder andere Wort darüber verlieren.

„Und Cathy – zu deinem Zeitspiel-Einwurf“: Ja, offensichtliches Zeitspiel nervt. Vor allem über Torhüter, die sich mit dem Ball stundenlang unterhalten bevor sie ihn wieder ins Spiel bringen, kann ich mich aufregen. Ob es grob unsportlich ist, weiß ich nicht – muss jeder für sich entscheiden. Am Ende ist es immer eine Entscheidung der Schiedsrichter, wann die Grenzen des Erlaubten überschritten sind und dann muss entsprechend sanktioniert werden. Ich gehe davon aus, dass die Nachspielzeit in Zukunft weiter zunehmen wird. Halbzeiten, die dann mindestens 50 Minuten dauern, werden wir immer häufiger erleben.

Nur 48 Stunden: Ein Sieg, eine Niederlage und viele Gedanken

Das war es also, unser Spiel gegen Augsburg. Sichere drei Punkte. Das wird nicht schwer. Das war der Grundtenor vor dem Spiel und ich habe es auch geglaubt. Jetzt stehe ich da und bin um einige Erkenntnisse reicher. Augsburg hat uns nicht nur gezeigt, dass wir ein Problem im Mittelfeld mit engen Räumen haben, das unser Mittelfeld an sich gestern ein großes Problem war aber auch dass Kies ein ganz Großer ist.

Ich war nie ein übermäßiger Kies-Fan. Er ist ein toller Spieler und ist super wichtig für die Mannschaft, aber ich habe meinen Fokus nie (nur) auf ihn gelegt. Gestern hat er aber mal wieder gezeigt, wie großartig er sein kann. Im Sturm ist er ja ohnehin sehr gut aufgehoben, aber wenn es gestern in der Abwehr eng wurde, dann war er da und wenn es im Mittelfeld mal wieder nicht weiter ging hat er die Bälle geholt und verteilt. Wenn ich ganz ehrlich bin, hat er mir im Mittelfeld gestern besser gefallen als all unsere gesetzten Mittelefeldspieler. Ohne da jetzt auf Namen rumzureiten: ein großer Teil unseres Mittelfelds hat mir gestern so gar nicht gefallen.

Dennoch zählen am Ende diese drei, wirklich wichtigen Punkte. Wir haben den Anschluss an Dortmund nicht verloren und das ist gut. Es gibt noch einiges zu tun, für unsere Jungs – aber das Spiel hätte auch anders ausgehen können. Ich habe gestern auf jeden Fall sehr gezittert und konnte mich auch erst nach dem Abpfiff halbwegs entspannen.

Entspannung ist dabei auch das Stichwort. Habe ich vor zwei Wochen noch den D-Block gelobt? Vergesst es. Es tut mir wahnsinnig leid, für die Einzelnen, die da alles geben, aber das war gestern ein Trauerspiel. Da wurde nicht mal mit geklatscht und das obwohl der C-Block und auch D1 und weite Teile von D2 alles gegeben haben und wirklich großartig waren. Das macht mich traurig, denn wie sehr unser Anfeuern beflügeln kann, hat man in dem Spiel gegen Dortmund doch gesehen. Nur weil der Gegner Augsburg heißt, muss man sich nicht derart hängen lassen. Oder nutzt ihr die Fastenzeit und verzichtet auf Stimmung? Fänd ich persönlich ja sehr schade.

Das war nicht das einzige Spiel diese Woche. Donnerstag ging es schon hoch her in der BayArena.

„Klaus, wie war das Spiel für dich?“

Cathy, es war vor allem eins: nass, kalt und auf meiner Position direkt zwischen den Spielerbänken vor allem mit einer völlig neuen Perspektive versehen. Das ist schon spannend, direkt bei den Akteuren zu sitzen.

Ansonsten habe ich ja schon einen kleinen „Einspruch“ erhoben – nicht gegen das Spiel unserer Werkself, sondern gegen die Art und Weise, wie in einigen Kreisen mit der Niederlage umgegangen wurde. Dieses ganze Rotationsthema will ich hier gar nicht mehr aufwärmen. Aber vielleicht sollte eins zu Denken geben: Die am Donnerstag von vielen so vermisste (entschuldigt den Ausdruck) „A-Elf“ hat gegen den Tabellenvorletzten der Bundesliga mal so eben 2-1 gewonnen – macht mit diesem Satz, was ihr wollt!

Am Donnerstag ging es gegen eine europäische Topmannschaft und unsere Schwarz-roten haben nicht nur auf Augenhöhe mitgespielt. Nein, sie waren die bessere Mannschaft. Dass wir uns dafür nicht viel kaufen können weiß ich auch. Aber für das Spiel am Donnerstag in Lissabon sehe ich noch jede Möglichkeit des Weiterkommens. Wie gesagt – die Berichterstattung in einigen Medien werde ich nicht weiter kommentieren, aber wenn ich nach dem Spiel im Radio höre „Leverkusen hat den Sieg nicht verdient gehabt“, dann frage ich mich ernsthaft, ob der Kollege von WDR 2 tatsächlich das gleich Spiel gesehen hat, wie ich!

Zu diesem vielfach postulierten „Arbeitssieg“ gegen Augsburg hast du die wesentlichen Dinge ja auf den Punkt gebracht, Cathy. Das sind eben diese Tage, an denen einem mal wieder klar werden sollte, dass Spektakel schön sind, aber am Ende nur wirklich sinnvoll mit einem Sieg für unsere Jungs . Drei Punkte – alles was zählt! Wenig Glanz, wenig Überragendes, aber immer wieder reingekniet und am Ende belohnt worden.

Ergänzend zu deiner schönen Hommage an unseren Kies: beispielhaft, wie er überall dort zu finden war, wo es nötig war. Eine Szene hat mich besonders beeindruckt. Es war so um die 75. Spielminute, oder etwas später, als man Stefan ansah, dass er so langsam die Fußballschuhe gerne ausgezogen hätte. Aber was macht der Bursche? Erkämpft sich den Ball und leitet einen Angriff der Werkself ein. Nicht in der Hälfte des Gegners, sondern an der eigenen Eckfahne!

Ein paar Sätze noch zur Stimmung in der BayArena, zum Support unserer Fans: Was da aus dem Norden des Stadions bei mir im Westen ankam war einfach nur großartig. Und wenn ich den Norden meine, dann meine ich alle, die mit dabei waren – egal in welchem Block. Aber gerade von meiner neuen Position kann ich den Support natürlich besonders schön beobachten. Und ich muss dir recht geben: geht es weiter weg vom C-Block wird es immer dünner, aber das ist ja nichts Neues. Einigen Zuschauern (und ja, es werden weniger) macht es einfach nur dann Spaß, wenn sie sich als Teil eines Fußballfestes fühlen dürfen. Bietet die Werkself dann nur fußballerische Alltagskost, kümmert man sich halt um seine Butterbrotdose und hofft, pünktlich im Pendelbus zu sitzen. Aber auch das gehört zu Leverkusen!

Seht ihr das alles anders? Oder genau so?

Schreibt eure Kommentare hier im Blog, oder auf unserer Facebookseite!

Übrigens: Den Sieg der Dortmunder gegen Frankfurt fand ich richtig gut 🙂 (Klaus)

Wir für euch – ihr für uns

Eins ist nach dem Spiel gegen Dortmund ganz klar geworden: wir sind großartig! Und dieses Mal meine ich nicht nur unsere Jungs. Die waren auch klasse, keine Frage. Sie haben grade in der zweiten Halbzeit gekämpft und gespielt, als ginge es um alles. Nein, dieses Mal meine ich vor allem und ganz besonders uns – die Fans.

Ich finde es ist an der Zeit, das recht lustlose Bild, das in den letzten Jahren entstanden ist, zu revidieren. Ich habe grade in der letzten Saison oft erzählt, wie schade ich es finde, dass in unserem Stadion keine Stimmung aufkommen mag. Ich denke seit Sonntag ist wohl jedem klar, dass sich seit dem viel geändert hat. Die Stimmung war zumindest sensationell. Schon nach dem ersten frühen Treffer hatte ich die Befürchtung, dass jetzt alles zusammenbricht. Aber das Gegenteil war der Fall. Der C-Block stimmte an und die Stimmung verbreitete sich. Erst begannen die Leute um mich herum mitzuklatschen. In der zweiten Halbzeit standen sie dann alle und haben mitgesungen.

Ich kann gar nicht sagen, wie sehr mich das gefreut hat. Der D-Block steht. Der D-Block singt. Der D-Block unterstützt seine Mannschaft. Ich weiß, dass das in D-1 immer so gemacht wird und sich auch der ein oder andere in Richtung D-5 dazu hinreißen lässt Stimmung zu machen, aber nicht in dem Ausmaß. Ich kann euch nicht beschreiben, was für ein unglaublich gutes Gefühl das war und ich würde mich gerne bei jedem bedanken, der mitgemacht hat.

Ich habe noch vor dem Spiel erzählt, wie bitter es für mich werden würde, sollten wir verlieren. Ganz ehrlich? So stolz bin ich lange nicht mehr aus den Stadion gegangen. Sicher, unsere Jungs haben zwei, drei echt fieser Patzer gebracht, von denen zwei zu Toren geführt haben, aber selbst das verblasst neben dieser Leistung. Ich habe ewig nicht mehr so viel Kampfgeist gesehen – unsere Mannschaft hat nicht aufgegeben und das haben wir auch nicht. Das war unglaublich und ich kann nicht stolzer sagen: das ist mein SVB und er hat großartige Fans. Was meinst du Klaus?

Da bin ich ganz bei dir, Cathy! Die Stimmung in der BayArena zeigt seit einiger Zeit eine steigende Tendenz, aber so habe ich es schon lange nicht mehr erlebt. Ich habe direkt nach dem Spiel geschrieben: „Nicht glücklich, aber stolz!“ Und das kann ich auch nach zweimal schlafen mit gutem Gewissen wiederholen. Natürlich ist es bitter, dieses wichtige Spiel nicht gewonnen zu haben – obwohl es mehr als möglich war. Viel mehr will ich zu den rein fußballerischen Aspekten auch nicht sagen. Kein „Hätte, wenn und aber“, keine Kritik an Spielern mit vergeben Chancen und unglücklichem Pass-Spiel. Und auch keine Schiri-Schelte, denn der Mann hat mehr richtig gepfiffen, als viele – auch ich – es spontan vermutet haben.

Auch ich stand nach 10 Minuten Kopf schüttelnd und mehr oder weniger fassungslos hinter dem Tor. Aber schon da hatte ich das Gefühl, das wir an diesem Abend kein Debakel unserer Schwarz-roten erleben würden. Wir hatten uns ja schon in der Halbzeitpause kurz ausgetauscht – und wir waren beide sicher – hier kann noch was passieren. Und es passierte etwas wirklich Großartiges! Unsere Werkself kämpfte, spielte und holte sich das Match in der BayArena zurück. Und auf einmal war er da – dieser Funke, der nicht nur auf unsere Fans im C-Block übersprang. Ich habe mich umgedreht und hinter mir standen Menschen und klatschten und schrien, deren Hinterteile sonst eine innige Dauerbeziehung mit der Sitzschale pflegen. Und was mich beeindruckt hat: Nach dem 2-3 für den BVB habe ich so viele Fans gesehen, die sofort wieder für unser Team da waren. Es war dieses „Niemals aufgeben!“ – Credo, das an diesem Abend die BayArena mit einem „Wir-Gefühl“ füllte, das sich schon in den letzten Spielen des alten Jahres andeutete. Es aber jetzt – nach einer Niederlage und dem Verlust von Platz Zwei – so zu erleben, das hatte schon etwas ganz Besonderes.

Auch dieser kurze Moment nach dem Spiel, als die Mannschaft erst ein wenig zögerlich den Weg Richtung Kurve fand, war bemerkenswert. In den Gesichtern unserer Spieler war die Enttäuschung deutlich zu sehen. Aber als sie der Kurve näher kamen und die „Wir sind stolz auf unser Team“-Gesänge immer deutlicher wurden, hatte ich den subjektiven Eindruck, einen Hauch von Entspannung und Anflüge eines Lächelns entdeckt zu haben. Einige Trikots landeten in den Händen begeisterter Fans – die von Stefan Kießling und Sebastian Boenisch, der seinen Vertrag mit der Werkself bis 2016 verlängert hat (sicher eine „News der Woche“ – nicht nur für unsere Cathy).

In Mönchengladbach kann es nur ein Ziel geben: den nächsten Dreier für die Champions-League! Und ich bin sicher, es wird gelingen. Cathy und ich sind am Karnevalssamstag im schwarz-roten Block, wenn es für die Mannschaft mit ihren Fans wieder heißt: „Wir für euch – ihr für uns!“

Und wie beurteilt ihr die Leistung und die Einstellung von Fans und Mannschaft gegen den BVBAntworten und Diskussionen gerne hier als Kommentar, oder auf unserer Facebookseite.