Der Fan, der Fan, der Fußballfan!

Nachdem Klaus seine Gedanken zum Thema Fans geteilt hat, möchte ich euch meine Sicht der Dinge natürlich nicht vorenthalten. Ich bin 2009 zu Bayer Leverkusen gekommen – habe den Verein besser kennen und lieben gelernt. Ich weiß, dass ich damit ein recht „junger“ Fan bin. Das habe ich auch schon des öfteren vorgehalten bekommen. Als ich nach der ersten Findungsphase, was den Verein angeht, einem anderen Leverkusener erzählt habe, wir seien Fans vom gleichen Verein, hat dieser nur den Kopf geschüttelt und mir gesagt, ich hätte erst das Recht mich Fan zu nennen, wenn ich mindestens 10 Jahre im Besitz einer Dauerkarte sei.

Das hat gesessen und ich bekomme den Gedanken seither auch nicht mehr aus dem Kopf. Darf ich mich tatsächlich nicht als Fan bezeichnen? Und all jene, die von weiter her kommen oder die sich keine Dauerkarte leisten können auch nicht? Ganz ehrlich? Solche Aussagen kann ich nicht für voll nehmen. Mir ist es egal, ob jemand seit einem Tag, einer Woche, einem Monat oder 20 Jahren an dem Verein hängt – wer mit ganzem Herzen dabei ist, ist ein Fan. Punkt.

Es gibt allerdings ein paar Dinge, da kann selbst ich nur mit dem Kopf schütteln. Ich sitze im D Block. Der Bereich ist extra für die Fans aus Leverkusen da. also gab es da ein paar Dinge, die ich erwarte habe, als ich das erste Mal dort Platz genommen habe. Das klingt dramatisch, ich weiß. Dabei sind es Sachen, die für ich so alltäglich sind, dass ich es schade finde, dass ich sie noch einmal erwähnen muss. Ich dachte früher (jugendlicher Leichtsinn) immer, dass die Leute ins Stadion gehen um ein Teil des ganzen zu sein. Die Mannschaft anfeuern gehört für mich ganz klar dazu.

Wenn jemand nicht mitsingen mag, oder aber die Texte nicht kennt, dann kann ich das voll und ganz verstehen. Wenn jemand nicht mit klatscht, weil er einen Tennisarm oder einen eingeklemmten Nerv hat, dann verstehe ich auch das. Aber wenn jemand einfach keine Lust darauf hat und dann noch die umsitzenden Menschen anpöbelt weil sie ihm mit dem Geklatsche auf die Nerven fallen, dann finde ich das wirklich traurig. Denn für mich gehört das zum „Fan und im Stadion sein“ einfach dazu. Ich klatsche und singe (meistens schräg) um meine Mannschaft anzufeuern. Um ihnen zu zeigen: „He, hier bin ich und ich glaube an euch! Ihr packt das! Ich gebe mein Bestes (Lautestes) für euch und ihr euer Bestes für mich“.

Und trotzdem werde ich akzeptieren, dass manche Leute sich ihr „Stadionerlebnis“ anders vorstellen. Ich werde nichts dazu sagen, dass sie mitten in einer spannenden Spielsituation erst einmal ihre Brotdose auspacken und eine Stulle essen. Und ich werde auch niemanden an den Pranger stellen, der mit Nichtwissen das Stadion zusammen brüllt. Jeder ist ein Fan und jeder auf die für ihn richtige Weise. Ich denke diese Vielfältigkeit macht die Szene so lebendig. Und dennoch, hoffe ich im Stillen, dass sich um mich herum noch mehr Fans finden, die für positive Stimmung im Stadion sorgen wollen. „Ihr für uns, wir für euch“ war ganz klar das Motto der Hinrunde – so soll es für mich auch in der Rückrunde sein.

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3 Gedanken zu „Der Fan, der Fan, der Fußballfan!

  1. Für mich unterscheiden sich Fans von Zuschauern darin, dass sie sich mit dem Verein beschäftigen und zulassen, dass er ein Teil ihres Lebens wird. Die Vereinshymne zu kennen ist für mich ein Muss und ich kannte mal wen, der erst durch mich nach Jahren „Fan-sein“ das erste Mal ins Stadion kam (Derjenige wohnte nichtmal allzuweit weg) und die Hymne auf dem iPod zu hören bekam. Das ist eine positive Form des Fan atismus, ohne den es einfach nicht geht und wenn man hundertmal beteuert die ganzen Jahre voll dabeigewesen zu sein.

  2. Die Nummer mit der Butterbrotdose kenne ich auch: Mein Freund Matthes (ihr kennt ihn aus einigen Blogartikeln), bekennender FC-Fan seit Jahrzehnten. Er geht auch gerne bei uns Fußball schauen. Beim ersten Mal (ich glaube gegen die Bayern) kam er kopfschüttelnden nach Hause, mit den Worten „Fünf Minutte vor Schluss packt da einer sing Botteramkist us. Ich han jefragt, ob er noch alle hätt, do säht der für mich ,Ich hann Hunger‘ – Datt jittet nit“

    Sehr wahrscheinlich sitzt der Knabe seit 30 Jahren auf seinem Platz und bringt die Buttrerotdose von Mutti mit. Na ja – wie Cathy richtig schreibt: Jeder stellt sich sein Stadionerlebnis eben anders vor. Was ich nicht leiden kann, ist die Verurteilung derer, die eben andere Vorstellungen haben. Noch ätzender sind die, die sich mit Trikot und Schal in die Kurve (nicht nur im D-Block) setzen, mit der festen Vorstellung, dass sowieso alles doof ist und die erst mal über alles motzen. Ich glaube, das ist auch mal einen eigenen Beitrag von mir wert – aber damit warte ich, bis es mal ein wieder ein wenig schlechter läuft (und ein paar Pleiten werden kommen) und die Motzkis wieder laut werden.

  3. Im Stadion unterscheide ich zwischen den ZUSCHAUERN und den FANS (den VIPs schenke ich bewusst keine Beachtung). Erstere sind diejenigen, die auf ihren Sitzschalen klebend Unterhaltung am Samstagnachmittag suchen und wenn sich diese als nicht zufriedenstellend präsentiert, ihre Sprechwerkzeuge zum Meckern oder Pfeifen nutzen. Diese Personengruppe ist es auch, die das Stadion mehrere Minuten vor Abpfiff verlässt, um auch garantiert die erste Bahn zu bekommen. Über ihre Treue (insbesondere bei Misserfolg) lässt sich schwer etwas Allgemeines sagen, vermutlich fühlen einige sich dadurch angegriffen. Fakt ist aber, dass in jedem Verein die Zuschauerzahlen (ja, genau, die ZUSCHAUERzahlen) mit der sportlichen Situation steigen und fallen. Bei Abstiegen verlassen tausende Besitzer ihre Jahreskarten, umgekehrtes Schauspiel bei Aufstiegen. Oft zeichnen sich diese Fußballfreunde durch Fanartikel verschiedenster Art aus, wobei ich mir die Frage stelle, ob manche von ihnen eigentlich schon einen zweiten Wohnsitz im Fanshop angemeldet haben. Im Ernst, für mich ist man kein besserer Fan, wenn man seinen Kaffee aus der Vereinstasse trinkt, die Bettwäsche in Vereinsfarben gehalten wird und auf sämtlichen alltäglichen Utensilien das Club-Logo erscheint –insofern halte ich die Bezeichnung „FAN“-artikel für wenig treffend. Wichtig scheint hier vor allem das eigene Image zu sein: „Hey, schaut mal, ich bin voll der Fan, ich esse aus Vereins-Brotdose!“ Ich möchte diesen Menschen ihr Interesse am Verein keinesfalls absprechen, schließlich gibt es sicher ein Alternativprogramm zum Fußball, aber nachvollziehen können muss ich die meisten ihrer Verhaltensweisen dennoch nicht und aus der Kategorie „Fans“ fallen sie bei mir deshalb heraus.
    Dorthinein gehören andere. Diese müssen weder 34 Spiele pro Saison live erleben noch dürfen sie keine anderen Interessen haben oder sollten alles dem Fußball unterordnen. Abgesehen davon, dass nicht jeder die Zeit und das Geld für eine Dauerkarte hat, ist auch nicht die Anzahl der Live-Spiele, sondern das „Wie“ entscheidend. Wenn es jemand zwischen August und Mai zu drei Spielen schafft und diese dann mit vollem Einsatz aktiv mitgestaltet, darf er sich genauso FAN nennen, wie die, die bei jedem Spiel dabei sind und ihr Team (aktiv!) unterstützen. Und genau hier ist der Unterschied: Der ZUSCHAUER unterstützt den Verein durch den Kauf seiner Karte finanziell und erwartet dafür eine Gegenleistung in Form von sportlichem Erfolg, an dem er dann teilhaben darf. Der FAN zahlt zwar auch, aber hat -wenn überhaupt- eine deutlich niedrigere Erwartungshaltung, eher: Hoffnung. Bedingungslos ist das Stichwort. Es wird gesungen und angefeuert auch oder gerade wenn es schlecht läuft, dann, wenn die ZUSCHAUER pfeifen oder genervt das Stadion verlassen, stehen die FANS hinter ihrem Team; immer, aktiv, bedingungslos.
    Kann der FAN nicht live dabei sein, ist die Angst, etwas (vielleicht Entscheidendes) verpassen zu können, groß. Das Stadion-Feeling lässt sich nicht herbeizaubern, aber zumindest das Spiel an sich muss verfolgt werden; Radio, TV, wie auch immer. Das Gefühl der Verbundenheit kann es nicht zulassen, ein Spiel zu verpassen, einem könnten wichtige Infos entgehen, man kann nicht mitreden.
    Egal, ob Live oder nicht, Ergebnis und Verlauf des Spiels haben in jedem Fall Auswirkungen auf den Gemütszustand des FANS und diese Emotionen wollen geteilt werden. Das geht am besten mit Leuten, die genauso denken und fühlen, also anderen Fußballinteressierten. Aus dem Wechselspiel von Wut, Trauer und Freude wächst über Jahre eine tiefe Zuneigung und stärkt die innere Verbindung zum Verein immer weiter.
    Ein FAN geht abends mit dem Gedanken an seinen Club ins Bett und steht morgens mit ihm auf – und das ganz ohne Kaffeetasse, die ihn daran erinnert, zu welchem Verein er gehört…

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